Mein Bücherjahr 2022

Mein Bücherjahr 2022

Im letzten Jahr habe ich damit angefangen, meine gelesenen Bücher schriftlich festzuhalten (siehe mein Bücherjahr 2021). Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe nicht mehr das Gefühl, dass mir alles durch die Finger rutscht. Zum einen lese ich natürlich für den Genuss, das Abtauchen in andere Welten, das wunderbare Kopfkino. Aber und an darf es gerne auch ein Sachbuch sein. Und als Autorin lesen ist dann auch noch mal anders, ich kann für mich festhalten, was mir gefallen hat (und was nicht) und welche Techniken ich vielleicht für eigene Romane übernehmen/ausprobieren kann. Auf dem Beitragsbild sieht man übrigens meine Weihnachtsgeschenke, mit denen werde ich wohl anfangen.

Vielleicht ist ja für dich die eine oder andere Entdeckung dabei?

Also dann, auf ins neue Bücherjahr!

 

Januar (Burkeman, Mythopedia, T. Kingfisher)

Oliver Burkeman: Four Thousand Weeks

The average human lifespan is absurdly, insultingly brief. Assuming you live to be eighty, you have just over four thousand weeks. (…) Drawing on the insights of both ancient and contemporary philosophers, psychologists, and spiritual teachers, Oliver Burkeman delivers an entertaining, humorous, practical, and ultimately profound guide to time and time management. Rejecting the futile modern fixation on “getting everything done,” Four Thousand Weeks introduces readers to tools for constructing a meaningful life by embracing finitude, showing how many of the unhelpful ways we’ve come to think about time aren’t inescapable, unchanging truths, but choices we’ve made as individuals and as a society—and that we could do things differently.

Nur viertausend Wochen? Das hört sich nach verhältnismäßig wenig an. Kein Wunder, wenn wir nicht alles schaffen, was wir uns vornehmen. Wir haben sowieso nicht genug Zeit. Das ist einerseits erschreckend, aber andererseits auch befreiend. Weg mit den Schuldgefühlen, weil man es sowieso nie der To-Do-Liste recht machen kann. Und her mit den Überlegungen, was man wirklich gerne machen würde. Dieses Buch hat mir eine ordentliche Menge kleiner Erleuchtungen beschert, über die ich in Ruhe nachdenken (und ein paar auch gleich umsetzen) möchte.

 

Mythopedia: Die Welt der Fabelwesen und ihrer magischen Geschichten

Diese Enzyklopädie der Fabelwesen umfasst Legenden, Erzählungen und Mythen aus der ganzen Welt. Von der westafrikanischen Fabel Anansi, die Spinne bis hin zu Tanuki, dem süßen, aber lästigen Waschbärhund der japanischen Folklore. Beeindruckende, farbintensive Zeichnungen illustrieren die Porträts der versammelten Wesen.

Eine ganz wunderbare Kombination aus Bild und Text: wirklich phantastische, bunte Zeichnungen. Wir haben uns das mittlerweile alle für unseren phantastischen Montag als Inspirationsquelle und Fundgrube zugelegt.  Es macht schon beim Durchblättern Spaß und ich habe einige Tiere kennengelernt, von denen ich vorher noch nie gehört hatte.

 

T. Kingfisher: Summer in Orcus

Summer is a perfectly ordinary 11 year old girl with a perfectly ordinary, needy, over-protective single mother. She always does what she is told and has become very good at listening and consoling her mother’s fears, but finds the experience increasingly exhausting. Summer loves her mother and would never dream of running away, but wonders deep down if it wouldn’t be nice to escape for just a little while and do something adventurous… maybe? Along comes the crone Baba Yaga in her magical walking house, who spies Summer through the alley gate and offers to provide her heart’s desire. Summer has no idea what this might be, but with the lighting of a frog-shaped beeswax candle she finds herself transported to the strange world of Orcus with nothing but a weasel in her pocket.

Das war ein ganz wunderbarer Lesespaß!

 

T. Kingfisher: The Saints of Steel Books

1. Paladin’s Grace

Stephen’s god died on the longest day of the year… Three years later, Stephen is a broken paladin, living only for the chance to be useful before he dies. But all that changes when he encounters a fugitive named Grace in an alley and witnesses an assassination attempt gone wrong. Now the pair must navigate a web of treachery, beset on all sides by spies and poisoners, while a cryptic killer stalks one step behind…

2. Paladin’s Strength

He’s a paladin of a dead god, tracking a supernatural killer across a continent. She’s a nun from a secretive order, on the trail of the raiders who burned her convent and kidnapped her sisters.

Zwei Bücher aus der Saints of Steel Reihe. Fantasy-Romance mit Screwball-Comedy würdigen Dialogen. Sagte ich schon, dass ich T. Kingfisher liebe? Sie ist eine grandiose Autorin!

 

Februar (Jenny Erpenbeck, Sarah Pearse, T.Kingfisher, LoisMcMaster Bujold, Louise Brown)

 

Jenny Erpenbeck: Kairos

Die neunzehnjährige Katharina und Hans, ein verheirateter Mann Mitte fünfzig, begegnen sich Ende der achtziger Jahre in Ostberlin, zufällig, und kommen für die nächsten Jahre nicht voneinander los. Vor dem Hintergrund der untergehenden DDR und des Umbruchs nach 1989 erzählt Jenny Erpenbeck in ihrer unverwechselbaren Sprache von den Abgründen des Glücks – vom Weg zweier Liebender im Grenzgebiet zwischen Wahrheit und Lüge, von Obsession und Gewalt, Hass und Hoffnung. Alles in ihrem Leben verwandelt sich noch in derselben Sekunde, in der es geschieht, in etwas Verlorenes. Die Grenze ist immer nur ein Augenblick.

Kairos, der Gott des glücklichen Augenblicks, wird hier beschworen. Aber ob das Zusammentreffen dieser beiden ein glücklicher Augenblick war, stellt die Autorin hier in Frage. Erpenbeck schreibt lebendig, dicht und sie schafft es, mit Worten und Rhythmus die Zeit selbst abzubilden, Augenblicke zu verlängern oder zu verkürzen. Ich habe mich allerdings beim Lesen sehr über die klischeehaften Figuren geärgert: sie das naive junge Mädchen, er der gräßlich-hässliche alte weiße Mann. Immerhin, was mich (Westberlinerin) bei der Stange gehalten hat, war, den Fall der Mauer sozusagen von der anderen Seite mitzuerleben.

 

Sarah Pearse: The Sanatorium

An imposing, isolated hotel, high up in the Swiss Alps, is the last place Elin Warner wants to be. But she’s taken time off from her job as a detective, so when she receives an invitation out of the blue to celebrate her estranged brother’s recent engagement, she has no choice but to accept. Arriving in the midst of a threatening storm, Elin immediately feels on edge. Though it’s beautiful, something about the hotel, recently converted from an abandoned sanatorium, makes her nervous – as does her brother, Isaac.
And when they wake the following morning to discover his fiancée Laure has vanished without a trace, Elin’s unease grows. With the storm cutting off access to and from the hotel, the longer Laure stays missing, the more the remaining guests start to panic …

Tja, da bin ich wohl auf die Werbung hereingefallen. Von wegen Sunday Times Bestseller und Reese Witherspoon Book Club Pick. Leider fand ich die Heldin sehr eindimensional und hölzern und ihr Schicksal war mir demzufolge herzlich egal. Ein bisschen Spannung kam erst ganz zum Schluss auf. Mein Fazit: Lohnt sich nicht.

 

T. Kingfisher: Minor Mage

Oliver was a very minor mage. His familiar reminded him of this several times a day. He only knew three spells, and one of them was to control his allergy to armadillo dander. His attempts to summon elementals resulted in nosebleeds, and there is nothing more embarrassing than having your elemental leave the circle to get you a tissue, pat you comfortingly, and then disappear in a puff of magic. The armadillo had about wet himself laughing. He was a very minor mage. Unfortunately, he was all they had.

Ein sarkastisches Armadillo als Familiar (Hexengefährte)! Da kann nichts schiefgehen, und Kingfisher überzeugt mal wieder. Warmherzig, humorvoll, spannend, wie eigentlich alle ihre Bücher. Ich bin ein großer Fan!

 

T.Kingfisher: Nine Goblins

When a party of goblin warriors find themselves trapped behind enemy lines, it’ll take more than whining (and a bemused Elven veterinarian) to get them home again. Nine Goblins is a novella of low…very low…fantasy.

Erinnert an Terry Pratchett. Ja, ich gebs zu: ich liebe diese Autorin und ihre Bücher!

 

Louise Brown: Was bleibt, wenn wir sterben

Nach dem Tod ihrer Eltern versucht die Journalistin Louise Brown der Endlichkeit des Lebens etwas Sinnstiftendes abzugewinnen. Sie wird Trauerrednerin und Zeugin dessen, was von uns bleibt. Dies verändert nicht nur ihre Einstellung zum Tod, sondern auch ihre Haltung zum Leben. Louise Brown schenkt uns unvergessliche Bilder, die daran erinnern, was uns als Menschen ausmacht. Ein tröstendes und befreiendes Buch, das Mut macht, das Leben auf die Dinge auszurichten, die von Bedeutung sind.

Anfang des Monats starb mein Vater. Dies ist eines der Bücher, das mir im Moment sehr hilft.

 

März (Jenny Erpenbeck, Lucy Foley, Joel Dicker, Richard Osman)

Jenny Erpenbeck: Heimsuchung

Ein Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, zwölf Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende.

Nachdem ich von Kairos (siehe Februar) so enttäuscht war, musste ich dieses hier trotzdem noch lesen. Schon allein der Sprache wegen. Und siehe da, diesmal hat sie mich gepackt. So viel Geschichte, auf so wenigen Seiten destilliert. Das Haus am See lud zum Baden ein. Auch wenn schreckliche Dinge passierten. Dieses Buch wird mich noch eine Weile beschäftigen…

 

Lucy Foley: The Guest List

On an island off the windswept Irish coast, guests gather for the wedding of the year – the marriage of Jules Keegan and Will Slater. Old friends. Past grudges. Happy families. Hidden jealousies. Thirteen guests. One body. The wedding cake has barely been cut when one of the guests is found dead. And as a storm unleashes its fury on the island, everyone is trapped. All have a secret. All have a motive. One guest won’t leave this wedding alive . . .

Spannende, gut gemachte Krimi-Unterhaltung. Was zum wegschmökern.

 

Joel Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors – und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman – fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln …

 

Richard Osman: Der Donnerstags Mordclub

Man möchte meinen, so eine luxuriöse Seniorenresidenz in der idyllischen Grafschaft Kent sei ein friedlicher Ort. Das dachte auch die fast achtzigjährige Joyce, als sie in Coopers Chase einzog. Bis sie Elizabeth, Ron und Ibrahim kennenlernt oder, anders gesagt, eine ehemalige Geheimagentin, einen ehemaligen Gewerkschaftsführer und einen ehemaligen Psychiater. Sie wird Teil ihres Clubs, der sich immer donnerstags im Puzzlezimmer trifft, um ungelöste Kriminalfälle aufzuklären. Als dann direkt vor ihrer Haustür ein Mord verübt wird, ist der Ermittlungseifer der vier Senioren natürlich geweckt, und selbst der Chefinspektor der lokalen Polizeidienststelle kann nur über ihren Scharfsinn staunen.

Unterwegs mit einer rüstigen Rentnergang, die Morde aufklärt. Miss Marple meets R.E.D. Sehr witzig, scharfsinnig und unterhaltsam (und der zweite Band ist sogar noch besser als der erste).

 

April (Joel Dicker, Juliane Marie Schreiber, Ich ging in die Wälder …, H.D. Walden)

 

Joel Dicker: Die Geschichte der Baltimores

Bis zum Tag der Katastrophe gab es die Goldmans aus Baltimore und die Goldmans aus Montclair. Die Baltimores hatten alles, was man sich vom Leben wünschen kann: Talent, Geld, Erfolg, ein prachtvolles Heim, zwei hochbegabte Söhne. Marcus Goldman, inzwischen erfolgreicher Schriftsteller, gehörte zu den weniger glamourösen Montclairs. Er verbrachte all seine Sommer bei den Baltimores und war für sie wie ein Sohn. Nun, acht Jahre nach der Katastrophe, beginnt Marcus, die Geschichte der Baltimores aufzuschreiben – und erkennt erst jetzt die wahren Gründe für die schrecklichen Ereignisse.

Joel Dicker: Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau …
Die idyllischen Hamptons sind Schauplatz einer fatalen Intrige, die Joël Dicker mit einzigartigem Gespür für Tempo und erzählerische Raffinesse entfaltet.

Ich habe die beiden obigen Bücher von Dicker hinereinander verschlungen. Obwohl die Personen in ihnen flache, zweidimensionale Charaktere sind und ich mit keiner so richtig mitfiebern konnte, schafft es der Autor, mich bei der Stange zu halten. Der Plot ist jeweils so schön ausgeklügelt, dass ich einfach bis zum Ende lesen musste, nur um zu wissen, wie es ausgeht (so ähnlich geht es mir auch mit den Büchern von Dan Brown)

 

Juliane Marie Schreiber: Ich möchte lieber nicht

Ratgeber und Duschbäder fordern uns auf, positiv zu sein. Wir sollen Scheitern als Chance begreifen und ständig unser Selbst entfalten. Doch der Terror des Positiven nervt, belastet jeden von uns und schwächt den Zusammenhalt: Wir betrachten Glück als Prestige und verstehen politische Probleme als persönliches Versagen. Das zeigt nicht nur die psychologische Forschung, sondern auch die Geschichte. Dagegen hilft nur Rebellion: Schimpfen ist Ausdruck gelebter Freiheit, ohne Schmerz gibt es keine Kunst, und Wut ist der Motor des Fortschritts. Denn die Welt wurde nicht von den Glücklichen verändert, sondern von den Unzufriedenen.

Dieses Buch war ein kleiner Augenöffner für mich. Der Begriff ‘toxische Positivität’ geistert ja schon länger in den sozialen Medien herum. Schreiber hat mein Unbehagen über die unzähligen kleinen und großen Aufforderungen, doch mal positiv zu denken und es einfach zu tun (denn du kannst alles schaffen, wenn du nur wirklich willst) in Worte gekleidet. Nur alleine das zu lesen, hat mich sehr erleichtert und Druck aus meinem Alltag rausgenommen. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre!

 

Ich ging in die Wälder … (Eine Anthologie)

Leben in einer Hütte, abgeschieden von moderner Technik, Konsum und anderen Menschen. Diese Vorstellung hat schon den US-Amerikaner Henry David Thoreau fasziniert, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in eine Hütte im Wald zurückzog und seine Gedanken in dem Buch „Walden“ niederschrieb. Thoreaus Texte und seine Idee vom Leben in der Wildnis begeistern bis heute Generationen. Im Nationalpark Bayerischer Wald steht ein Nachbau der Thoreau-Hütte. Der Verein WaldZeit hat Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen, fünf Tage darin zu wohnen und sich mit den Thesen von Thoreau auseinanderzusetzen. Wie verhält es sich heute mit der Mensch-Natur-Beziehung? Wie steht es um unseren Wunsch nach Wildnis und mehr Nachhaltigkeit? Inspiriert der Aufenthalt in der Natur, den eigenen Lebensstil zu reflektieren? Die Teilnehmer waren bei Wind und Wetter unterwegs in der Natur und haben ihre Gefühle und Beobachtungen auf Papier, in Kunstwerken oder mit der Kamera festgehalten. Die Ergebnisse ihrer Woche in der Hütte sind in diesem Buch gesammelt.

Dieses Buch ist ein Teil meiner Recherche für mein neues Schreibprojekt. Habs noch nicht vollständig durchgearbeitet, finde es aber jetzt schon faszinierend.

 

H.D. Walden: Ein Stadtmensch im Wald

Ein großes Waldgebiet, eine einsam gelegene Hütte und in ihr: ein Naturbanause aus der Stadt. H. D. Waldens Bericht über seinen unverhofften Neuanfang mit der Natur. Ein Schriftsteller zieht sich allein in eine Hütte zurück, irgendwo im Ruppiner Waldgebiet. Die Gegend ist so verlassen, dass seine Freundin behauptet, die Waldtiere wüssten nicht, was Menschen sind und würden meinen, es handele sich um verrückte Kühe. Doch auch der Schriftsteller muss sich eingestehen, dass er nicht besser Bescheid weiß als die Tiere: Vögel beispielsweise sehen für ihn alle gleich aus. Ein Stadtmensch eben. Da er sonst nichts zu tun hat, beginnt er mit Hilfe einer Vogelbestimmungs-App und Vogelfutter sich der Angelegenheit zu nähern. Und tatsächlich, sie kommen alle angeschwirrt: Kohlmeisen, Kleiber, Dompfaffen – wie er nun lernt. Und sie unterscheiden sich charakterlich stark: die Mönchsgrasmücke benimmt sich draufgängerisch wie Tom Cruise, während die Kleiber so überdreht wie Kokainisten wirken.

Ebenfalls als Recherche für mein aktuelles Buchprojekt erworben. Ein schmales, aber sehr amüsantes Bändchen über einen typischen Stadtmenschen im Wald.

 

Mai (Simon Beckett, Simon Lelic, Bettina Kerwien, Haruki Murakami)

 

Simon Beckett: The Lost

Ten years ago, the disappearance of firearms police officer Jonah Colley’s young son almost destroyed him. A plea for help from an old friend leads Jonah to Slaughter Quay, and the discovery of four bodies. Brutally attacked and left for dead, he is the only survivor. Under suspicion himself, he uncovers a network of secrets and lies about the people he thought he knew – forcing him to question what really happened all those years ago…

Handwerklich gut gemacht, aber inhaltlich nix neues. Habs zwar zuende gelesen, weiß aber nicht genau, warum …

 

Simon Lelic: The Search Party

16-year-old Sadie Saunders is missing. Five friends set out into the woods to find her. But they’re not just friends… They’re suspects. You see, this was never a search party. It’s a witch hunt. And not everyone will make it home alive.

Die Story wird aus der Sicht der verschiedenen Teilnehmer*innen erzählt und es macht Spaß, das Puzzle zusammenzusetzen. Dazu noch eine kleine Überraschung am Schluss… Spannende Unterhaltung!

 

Bettina Kerwien: Tiergarten Blues

Das Dach der Kongresshalle im West-Berliner Tiergarten stürzt ein. Ein Unfall? Baumängel? Oder hat doch jemand nachgeholfen? Dann wird vor den Trümmern eine abgeschlagene Hand gefunden. Kommissar Peter Kappe nimmt mit Kriminalmeister Wolf Landsberger die Ermittlungen auf. Bald ist klar: Die Spur führt in die USA. Der Kommandant des Amerikanischen Sektors will den Fall an sich reißen. Ein Glück, dass sein Sonderermittler US-Major Bukowski nicht nur den Blues liebt, sondern auch Kappes neue Kollegin Roswitha Habedank. Aber genügt das, um den Fall zu lösen und die deutsch-amerikanische Freundschaft zu retten?

Die Berliner haben sie (mehr oder weniger) liebevoll ‚schwangere Auster‘ getauft: die Kongreßhalle im Tiergarten besitzt eben ein ganz besonders, gewagt geschwungenes Dach. So gewagt, dass es bei der Planung und dem Bau manche Stimme gab, die gegen eine Fertigstellung protestierten. Es sei zu unsicher. Doch der Prestige-Bau wurde durchgezogen und leider stürzte einige Zeit später tatsächlich das Dach ein. Um diesen (realen) Vorfall herum baut Bettina Kerwien geschickt und mit viel Schwung ihre (fiktive) Geschichte auf. Zuerst stirbt ein Koch, dann wird eine abgehackte Hand gefunden (nicht die seine) und kurz darauf der dazu passende Tote.

Was hat der Koch (und dessen Kotelettspalter) mit der Hand zu tun? Kommissar Kappe muss nicht nur das Rätsel lösen, sich an eine neue Kollegin gewöhnen (die Rosi aus Bayern) sondern sich auch noch mit amerikanischen Spionen auseinandersetzen. Alle jagen der Hand, bzw. deren Besitzer hinterher, und Doreen Niedergesäß aus der Pathologie (ich liebe diese Frau!) muss ordentlich tricksen.

Ein Hauch von Blues zieht durch das ganzer Buch, wenn z.B. Kappe im verrauchten Berliner Jazz- und Blues Keller Quasimodo seine Verdächtigen trifft. Big Bill Bukowski und seine Bloody Blues Band spielen auf und das ruft Erinnerungen wach. Überhaupt besteht ein großer Teil des Lesevergnügens darin, wie lebendig Kerwien die achtziger Jahre macht. Und das mit einem Schwung und einem Wortwitz, der mich immer wieder umhaut. Dazu gibt es natürlich einen ordentlich verzwickten Kriminalfall, der Kappe auch nach Ost-Berlin führt (sogar in einer Diplomaten-Limo).

Zwei Lieblingszitate (von vielen):

„Kappe ist interessant. Er hat so ein ehrliches, klares Gesicht wie ein nach Lavendel duftender Jesus auf einer Weihnachtskarte, der verirrte Seelen wieder auf den rechten Weg führen will.“

(denkt Rosi, die neue Kollegin)

„Ob Mörder, Polizisten, Musiker, Ingenieure oder Soldaten – in West-Berlin schlägt doch zum Schluß immer die Stunde der genialen Dilettanten.“

(denkt Kappe zwischendurch)

Kurzum: ein unterhaltsamer Krimi mit Spannung, Spaß und Wiedererkennungseffekt. „Man spielt nur mit dem Herzen gut“, sagt der Blues-Musiker/Diplomat/Spion Big Bill an einer Stelle (natürlich in Anlehnung an den kleinen Prinzen). Ich möchte hinzufügen, man schreibt nur mit dem Herzen gut. Und Kerwiens Schriftstellerinnenherz ist eindeutig am richtigen Fleck. Große Leseempfehlung!

 

Haruki Murakami: Die Ermordung des Kommendatore (I+II)

Allein reist der namenlose Erzähler und Maler ziellos durch Japan. Schließlich zieht er sich in ein abgelegenes Haus, das einem berühmten Künstler gehört, zurück. Eines Tages erhält er ein äußerst lukratives Angebot. Er soll das Porträt eines reichen Mannes anfertigen. Nach einigem Zögern nimmt er an, und Wataru Menshiki sitzt ihm fortan Modell. Doch der Ich-Erzähler findet nicht zu seiner alten Fertigkeit zurück. Das, was Menshiki ausmacht, kann er nicht erfassen. Wer ist dieser Mann, dessen Bildnis er keine Tiefe verleihen kann?

Ich hab ja schon mehrmals versucht, Murakami zu lesen, bisher immer erfolglos. Aber diesmal hat er mich dann doch gepackt. Spannend finde ich vor allem die Schilderung des Malens und die Überlegungen zur Kunst, merkwürdig manchmal die Sprache/die Gewichtungen: über Automodelle wird ebenso ruhig sinniert wie über heißen Sex. Interessante Geschichte, die mich nicht mehr loslässt.

Hier noch eine Kurzrezi vom Deutschlandfunk.

 

Juni (Marina Lewycka, Robert Seethaler, Nicci French)

 

Marina Lewycka: Das Leben kleben

Georgie Sinclair hat gerade ihren Mann vor die Tür gesetzt, ihr Sohn entwickelt eine beunruhigende Vorliebe für Weltuntergangs-Websites, und ihren Job bei einem Klebstoff-Fachmagazin findet sie auch nur bedingt faszinierend. Da trifft sie eines Tages Mrs Shapiro, die allein in einem halb verfallenen alten Haus lebt. Die verschrobene Dame ist Jüdin und im Zweiten Weltkrieg nach London geflohen. Als Mrs Shapiro ins Krankenhaus muss, bittet sie Georgie, sich um das baufällige Haus zu kümmern. Gleich mit ihrer ersten Tat setzt sich Georgie gehörig in die Nesseln: Der Handwerker, den sie mit Reparaturen beauftragt, ist keineswegs Pakistani, wie sie dachte, sondern Palästinenser. Eine potenziell heikle Konstellation. Zusätzliche Komplikationen ergeben sich durch zwei geldgierige Immobilienmakler, eine arglistige Sozialarbeiterin und Georgies Ehemann …

Wunderbar vielschichtige Komödie mit Tiefgang. Hab mich sehr amüsiert.

 

Marina Lewycka: Die Werte der modernen Welt unter Berücksichtigung diverser Kleintiere

Niemand würde Serge und Clara für Geschwister halten. Aber die gemeinsame Kindheit in einer Hippiekommune hat sie für immer zusammengeschweißt. Die Nachricht ihrer Eltern, nach 35 Jahren doch noch heiraten zu wollen, trifft sie wie ein Schock. Denn Dinge könnten herauskommen, die sie ihren Erzeugern bisher tunlichst verschwiegen haben. Vor allem Serge steckt in der Bredouille. Schon seit Längerem dient er als Investmentbanker dem elterlichen Feindbild schlechthin: dem Kapitalismus. Sein glorioses Lügengebäude gerät ins Wanken, zeitgleich mit der Welt der Hochfinanz.

Musste mit gleich noch ein zweites von der Autorin holen, war aber nicht ganz so begeistert wie beim ersten. Viel Finanzdetails, ich gestehe, ich bin nicht immer mitgekommen. Aber trotzdem gute Unterhaltung.

 

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

Als Andreas Egger in das Tal kommt, in dem er sein Leben verbringen wird, ist er vier Jahre alt, ungefähr – so genau weiß das keiner. Er wächst zu einem gestandenen Hilfsknecht heran und schließt sich als junger Mann einem Arbeitstrupp an, der eine der ersten Bergbahnen baut und mit der Elektrizität auch das Licht und den Lärm in das Tal bringt. Dann kommt der Tag, an dem Egger zum ersten Mal vor Marie steht, der Liebe seines Lebens, die er jedoch wieder verlieren wird. Erst viele Jahre später, als Egger seinen letzten Weg antritt, ist sie noch einmal bei ihm. Und er, über den die Zeit längst hinweggegangen ist, blickt mit Staunen auf die Jahre, die hinter ihm liegen.

Ganz wunderbar, sehr ruhig, still. Ein Buch zum Eintauchen in eine andere Welt, eine andere Lebensweise. Man kommt nicht unverändert da wieder raus. Es wird noch lange in mir nachwirken.

 

Nicci French: The Unheard

Tess‘s number one priority has always been her three-year-old daughter Poppy. But splitting up with Poppy’s father Jason means that she cannot always be there to keep her daughter safe. When she finds a disturbing drawing, dark and menacing, among her daughter’s brightly coloured paintings, Tess is convinced that Poppy has witnessed something terrible. Something that her young mind is struggling to put into words. But no one will listen. It’s only a child’s drawing, isn’t it?

Ich bin ja ein großer Fan von Nicci French Thrillern, und auch dieser hat mich nicht enttäuscht. Ein heißes Wochenende auf dem Balkon, und ich war durch. Sehr spannend!

 

Juli (Jim Butcher, Olivie Blake)

 

Jim Butcher: The Dresden Files

Die „Dresden Files“ (deutsch Die dunklen Fälle des Harry Dresden) sind Butchers erste Serie über und mit Harry Blackstone Copperfield Dresden, Chicagos ersten (und einzigen) Magier-Detektiv. Die Serie verbindet über den sehr bodenständigen Harry Dresden die Fantasywelt mit der heutigen Realität. Harry ist ein echter Magier, der sich als Privatdetektiv in einem „alternativen Chicago“ durchschlägt, in dem Magie real ist, aber nur von ganz wenigen Menschen wahrgenommen wird. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive Harry Dresdens. (Quelle: Wikipedia)

Irgendwann musste es ja soweit kommen. Ich bin immer mal wieder drumrum geschlichen, aber jetzt habe ich die Urban Fantasy Serie um den coolen Privatdetektiv, pardon, Zauberer, Harry Dresden, entdeckt und bisher bereits Band 1-7 verschlungen. Sehr spannend, sehr witzig gemacht. Liest sich super weg.

 

Olivie Blake: The Atlas Six

Die Bibliothek von Alexandria ist niemals untergegangen, sie verwahrt im Verborgenen seit Jahrtausenden die dunkelsten Geheimnisse der Menschheit. Alle zehn Jahre bekommen die talentiertesten Magier*innen ihrer Generation die Möglichkeit, das uralte Wissen zu studieren: Jene, die die Initiation überstehen, erwarten ungeheurer Reichtum, Macht und Weisheit. Doch von den sechs Auserwählten werden nur fünf überleben.

Ein neues Genre, Dark Academia (altehrwürdige Bibliotheken, düstere Geheimnisse und die Freude am Lernen), und ich liebe die Bücher (Scholomance habe ich auch schon mit Begeisterung gelesen).

 

August (Marina Leky, Marian Engels, Gerda Blees)

 

Sehr gefallen haben mir die kurzen, kleinen Geschichten in Kummer aller Art von Marina Leky, die sie ursprünglich als Kolumnen für eine psychologische Fachzeitschrift schrieb. Liebevolle Beobachtungen des menschlichen Durcheinanders, aufgeschrieben mit trockenem Humor, und immer wieder tröstlich und versöhnlich.

Begeistert hat mich Marian Engels Bär. Eine einsame Archivarin reist auf einer Insel, um eine Hinterlassenschaft zu katalogisieren. Dass zum Haus auch ein Bär gehört, um den sie sich kümmern soll, hat ihr niemand erzählt. Es entspinnt sich eine Beziehung der ganz besonderen Art. Faszinierend, witzig, wild und sexy. Diese Leseempfehlung bekam ich übrigens via Twitter von der Buchhändlerin @magdarine, die geschworen hat, das #Bärensexbuch überall bekannt zu machen. Sie gibt auch regelmäßig einen sehr guten Newsletter mit Buchtipps heraus.

Wenn Wollsocken reden können und sogar das Brot eine Stimme hat, dann steckst du mitten drin im Roman Wir sind das Licht von Gerda Blees. Er handelt vom Tod einer Frau in einer Art Kommune/Wohngemeinschaft, die eine Abkehr von Nahrung praktiziert, weil man sich rein erhalten möchte. Sie starb (leider keine Überraschung) an Unterernährung. Sehr wohl eine Überraschung ist die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird. Hat mich sehr fasziniert und beim Lesen immer wieder umgehauen. Genial gemacht, daher große Lese-Empfehlung!

 

September (Ruth Ozeki, Stephen King)

 

Ruth Ozeki: Die leise Last der Dinge

Ein Jahr nach dem Unfalltod seines Vaters beginnt der dreizehn Jahre alte Benny Oh Stimmen zu hören. Es sind die Stimmen der unbelebten Gegenstände in seinem Zuhause – seine Sneakers, eine zerbrochene Weihnachtskugel, ein Blatt welker Salat. Gleichzeitig beginnt seine Mutter Annabelle, immer mehr Dinge zu horten, bis es kaum mehr einen freien Platz auf dem Fußboden gibt. Mutter und Sohn drohen in ihrem seelischen Chaos den Halt zu verlieren – bis sie auf ein Buch stoßen, das sie womöglich zu retten imstande ist …

Ein Vater stirbt, Ehefrau/Mutter und Sohn versuchen, mit dem Unmöglichen klarzukommen. Sie beginnt, Dinge zu horten. Er beginnt, Stimmen zu hören. Ozeki beschreibt den Weg durch die Trauer mit Einfühlungsvermögen, Fantasie und Humor. Hat mich sehr gefesselt.

 

Stephen King: Fairy Tale

Der siebzehnjährige Charlie Reade hat kein leichtes Leben. Seine Mutter starb, als er sieben war, und sein Vater ist dem Alkohol verfallen. Eines Tages offenbart ihm der von allen gemiedene mysteriöse Nachbar auf dem Sterbebett ein Geheimnis, das Charlie schließlich auf eine abenteuerliche Reise in eine andere, fremde Welt führt. Dort treiben mächtige Kreaturen ihr Unwesen. Die unterdrückten Einwohner sehen in Charlie ihren Retter. Aber dazu muss er erst die Prinzessin, die rechtmäßige Gebieterin des fantastischen Märchenreichs, von ihrem grausamen Leiden befreien.

Ich bin wahrhaftig ein großer King Fan, aber das hier war dann doch nix. Zu langatmig (ein drittel des Buches geht bei der Vorstellung des Hauptcharakters drauf) und dann nicht spannend genug (die Märchenwelt beibt seltsam unausgegoren, ist ein Verschnitt aus vielen anderen Welten). Wude erst zum Ende hin mäßig spannend und hat mich, alles in allem, nicht vom Hocker gerissen. Schade.

 

Oktober (Laura Purcell, Mareike Fallwickl, Theresia Enzensberger)

 

Laura Purcell: Bone China

Consumption has ravaged Louise Pinecroft’s family, leaving her and her father alone and heartbroken. But Dr Pinecroft has plans for a revolutionary experiment: convinced that sea air will prove to be the cure his wife and children needed, he arranges to house a group of prisoners suffering from the same disease in the cliffs beneath his new Cornish home. Forty years later, Hester Why arrives at Morvoren House to take up a position as nurse to the now partially paralysed and almost entirely mute Miss Pinecroft. Hester has fled to Cornwall to try and escape her past, but surrounded by superstitious staff enacting bizarre rituals, she soon discovers that her new home may be just as dangerous as her last…

Oktober, die Blätter fallen, die Abende werden länger und dunler … da gib es nichts besseres, als sich mit Tee und einem Gothic Thriller so richtig schön gemütlich zu machen. Purcells Buch liefert schön spooky viktorianische Atmosphäre, wandelt auf Daphne DuMauriers Spuren in Cornwall und Elfen gibt es auch … oder nahm die Gouvernante nur zwei Tropfen zu viel Laudanum? Für alle Freunde des gepflegten englischen Gruselschauers, sehr empfehlenswert.

 

Laura Purcell: The Silent Companions

Newly married, newly widowed Elsie is sent to see out her pregnancy at her late husband’s crumbling country estate, The Bridge. With her new servants resentful and the local villagers actively hostile, Elsie only has her husband’s awkward cousin for company. Or so she thinks. For inside her new home lies a locked room, and beyond that door lies a two-hundred-year-old diary and a deeply unsettling painted wooden figure – a Silent Companion – that bears a striking resemblance to Elsie herself…

Der Halloween-Tisch in der Bibliothek ist schuld. Da lag nach dem ersten (siehe oben) nämlich prompt ein zweites Buch von Purcell. Ich konnte nicht widerstehen und habs hintereinanderweg verschlungen. So wunderbar gruselig!

 

Laura Purcell: The Corset

Dorothea Truelove is young, wealthy and beautiful. Ruth Butterham is young, poor and awaiting trial for murder. When Dorothea’s charitable work leads her to Oakgate Prison, she finds herself drawn to Ruth, a teenage seamstress – and self-confessed murderess – who nurses a dark and uncanny secret. A secret that is leading her straight to the gallows. As Ruth reveals her disturbing past to Dorothea, the fates of these two women entwine, and with every revelation, a new layer of doubt is cast… Can Ruth be trusted? Is she mad, or a murderer?

Und dann entdeckte ich in meinem SUB doch tatsächlich ein Buch von Purcell! Geschenkt bekommen vor vielleicht zwei Jahren, nie so richtig Lust gehabt … und bam! Ich finds ja beinahe das beste bisher. Absolute Leseempfehlung!

 

Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt

Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit. Helenes beste Freundin Sarah, die ­Helene ­ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der ­Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die ­älteste Tochter von Helene, sucht nach einer ­Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein.

Ich denke sicherlich nicht, dass Frauen, wenn sie untereinander sind (ohne Männer), nichts als Liebe füreinander haben (wie es an einer Stelle des Romans in etwa heißt). Ich denke auch nicht, dass Männer generell das Feindbild sind (was frau nach dem Lesen durchaus glauben könnte). Aber die Tatsachen, auf denen Fallwickls Buch beruht, sind nicht hinwegzudiskutieren: als Frau bist du in unserer Gesellschaft in so vieler Hinsicht einfach am Arsch. Insofern wird mich dieser Roman noch lange beschäftigen …

 

Theresia Enzensberger: Auf See

Yada wächst als Bürgerin einer schwimmenden Stadt in der Ostsee auf. Ihr Vater, ein libertärer Tech-Unternehmer, hat die Seestatt als Rettung vor dem Chaos entworfen, in dem die übrige Welt versinkt. In den Jahren seit ihrer Gründung ist der Glanz vergangen, Algen und Moos überwuchern die einst spiegelnden Flächen. Yadas Vater fürchtet, sie könne das Schicksal ihrer Mutter ereilen, die vor ihrem Tod an einer rätselhaften Krankheit litt. Und Yada macht eines Tages eine Entdeckung, die alles ins Wanken bringt. Klug, packend und visionär erzählt Theresia Enzensbergers großer Roman von den utopischen Versprechen neuer Gemeinschaften und dem Glück im Angesicht des Untergangs.

Ein bißchen kalt und analytisch geschrieben, ich wurde mit keiner Figur so richtig warm. Aber es ist auch eine kalte Zukunft, die sehr glaubhaft beschworen wird. Noch ein Buch zum nachdenken.

 

November (Vera Kurian, Simone Buchholz, Neil Gaiman)

 

Simone Buchholz: Unsterblich sind nur die anderen

Drei Männer verschwinden spurlos auf der MS Rjúkandi, einer Nordatlantikfähre. Zwei Frauen machen sich auf den Weg, um nach ihren verschollenen Freunden zu suchen – und sie besteigen das Schiff nach Island in der festen Überzeugung, bald wieder zu Hause zu sein. Aber schon in den ersten Tagen an Bord fallen ihnen merkwürdige Dinge auf, und die seltsame Atmosphäre: Die Crew ist überirdisch gutaussehend, der Kapitän scheint bei aller Erhabenheit und Coolness stets einen Sack voll Schuld mit sich herumzuschleppen, und was zur Hölle ist eigentlich mit der Barfrau los?

Das von der Buchhändlerin @magdarine auf Twitter berühmt gemachte #Segelsexbuch (siehe August für das #Bärensexbuch), endlich habe ich es auch gelesen, und mich köstlich amüsiert. Männer verschwinden, tauchen wieder auf, der Kapitän treibt es mit Meerjungfrauen und diverse Göttinnen mischen auch mit. Nur schade, dass man nicht mehr von Bord gehen kann … oder doch? Ein schräges, witziges Buch, dass sich auch mit ernsten Themen beschäftigt, und mir viel Spaß gemacht hat.

 

Vera Kurian: Never saw me coming

Meet Chloe Sevre. She’s a freshman honor student, a legging-wearing hot girl next door, who also happens to be a psychopath. Her hobbies include yogalates, frat parties and plotting to kill Will Bachman, a childhood friend who grievously wronged her. Chloe is one of seven students at her DC-based college who are part of an unusual clinical study for psychopaths—students like herself who lack empathy and can’t comprehend emotions like fear or guilt. The study, led by a renowned psychologist, requires them to wear smart watches that track their moods and movements. When one of the students in the study is found murdered in the psychology building, a dangerous game of cat and mouse begins, and Chloe goes from hunter to prey. As she races to identify the killer and put her own plan into action, she’ll be forced to decide if she can trust any of her fellow psychopaths—and everybody knows you should never trust a psychopath.

Ein Haufen Psychopathen an einem College, was kann da schon schiefgehen? Genau. Spannend, unterhaltsam, hat sich prima runtergelesen. Was für lange Novemberabende.

 

Neil Gaiman: Kunst ist wichtig

Neil Gaiman hat einmal gesagt, dass “die Welt immer heller erscheint, wenn man gerade etwas geschaffen hat, das vorher nicht da war”. Dieses kleine Buch ist die Verkörperung dieser Vision. Es versammelt die besten Texte und kreativen Manifeste Neil Gaimans und zeigt, wie Lesen, unsere Vorstellungskraft und schöpferische Prozesse die Welt verändern können. Ein inspirierendes Buch, wunderschön illustriert von Chris Riddell.

Das nehme ich immer mal wieder zur Hand, vor allem, wenn der olle Zweifel an mir nagt. Inspirierend und motivierend.

 

Dezember

 

 

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