Mein Bücherjahr 2021

Mein Bücherjahr 2021

Ich futtere Bücher ja manchmal regelrecht in mich hinein, quer durch alle Genres. Und damit ich den Überblick nicht ganz verliere und mich vor allem an die Schätzchen erinnere, gibt es ab sofort hier eine monatliche Leseliste mit Kurz (oder Lang) Rezis, die im Verlauf des Jahres entsteht. Kurzum, mein Bücherjahr.

Vielleicht ist ja auch für dich was dabei?

 

Januar (Charlotte Link, Bettina Kerwien, T.Kingfisher, Naomi Novik, Laura Kneidl, Dorothy Parker)

 

Im Januar widme ich mich hauptsächlich meinen Weihnachtsgeschenken. Denn seit dem ich nicht mehr als Buchhändlerin arbeite (ein Beruf, den ich sehr geliebt habe), bekomme ich doch tatsächlich auch wieder Bücher geschenkt. Und da ist dann so manche Überraschung darunter.

Charlotte Link: Ohne Schuld

Auf zwei Frauen wird innerhalb kurzer Zeit ein Mordanschlag verübt. Sie kennen einander nicht, es gibt keinerlei Verbindung … aber dieselbe Tatwaffe? Für Ermittlerin Kate Linville wird der Fall sehr schnell persönlich …

Hat ein wenig gebraucht, um Fahrt aufzunehmen, war dann aber dafür sehr spannend. Gut gemachte, solide Krimikost.

Bettina Kerwien: Der Herr mit dem Windspiel

Ich mag es ja sehr gerne, wenn Autoren zu Weihnachten eine Geschichte verschenken. Und die hier ist wirklich wunderbar (und nicht nur was für Dackelfans). Auf ihrem Blog kostenlos zu lesen!

T.Kingfisher: The Hollow Places

Ich bin eigentlich eher durch Zufall da reingestolpert. Weil ich im Dezember von ihr den wunderbar spleenigen, witzigen Fantasyroman A Wizard’s Guide to defensive Baking las und liebte, dachte ich, mehr davon … und dann entpuppten sich die Hollow Places als eine atmosphärisch dichte, sehr ausgefallene Horrorstory. Nichtsdestotrotz konnte ich die Finger nicht davon lassen. Kein Pulp, kein Gore, kein Hardcore, dafür jede Menge Gänsehaut, wohldosiert und mit Humor garniert. Von dieser Autorin werde ich garantiert noch mehr lesen!

 

Naomi Novik: A deadly education

„I decided that Orion Lake needed to die after the second time he saved my life. Everyone loves Orion Lake. Everyone else, that is. Far as I’m concerned, he can keep his flashy combat magic to himself. I’m not joining his pack of adoring fans. I don’t need help surviving the Scholomance, even if they do. Forget the hordes of monsters and cursed artifacts, I’m probably the most dangerous thing in the place. Just give me a chance and I’ll level mountains and kill untold millions, make myself the dark queen of the world.“

Ich liebe das ja sehr: eine magische Schule voller junger Zauberer/Elfen/Vampire/Götter … egal. Eine Heldin/ein Held, der/die ganz besondere Fähigkeiten besitzt/zu ganz besonderem auserkoren scheint. Les ich immer noch gerne, auch wenn ich das Gefühl habe, dass der Buchmarkt mittlerweile davon überschwemmt und das Thema ausgereizt ist. Und dann kommt Novik daher und schafft es, dem Ganzen auch noch einen völlig neuen Dreh zu geben. Ihre Schule (ohne Lehrer!) ist nämlich von Grund auf Böse und frisst ihre Zöglinge gelegentlich sogar. Und ihre Heldin ist eine wider Willen und keineswegs lieb und gut. Ich habe das Buch in kürzester Zeit verschlungen und warte jetzt schon mit großer Vorfreude auf die nächsten Teile.

 

Laura Kneidl: Das Flüstern der Magie

Eine junge Frau kann magische Gegenstände flüstern hören. Sie ist für ein Archiv verantwortlich, in dem diese gesammelt und vor Unbefugten geschützt werden sollen. Dann geht ein gefährliches, magisches Tarot verloren … Ich habs ganz gerne gelesen, auch wenn die Geschichte so ein bisschen vor sich hin plätschert. Ganz wunderbar allerdings die Stadt Edinburgh, in der das alles spielt. Ich habe beim Lesen richtig Fernweh bekommen.

Dorothy Parker: Denn mein Herz ist frisch gebrochen (Gedichte)

Eine Sammlung ihrer wunderbar spitzzüngigen, scharfsinnigen, melancholisch-wehmütigen Gedichte. Ganz wunderbar. Ich suche ja gerade nach einem zum Auswendiglernen. Vielleicht klein anfangen?

Two-Volume Novel

The sun’s gone dim, and
The moon’s turned black;
For I loved him, and
He didn’t love back.

 

Februar (Bridget Collins, V.E.Schwab, Jodi Taylor, Rukmini Iyer)

 

Ich lese gerade wild durcheinander, mehrere Bücher auf einmal. Irgendwie ist meine Konzentrationsfähigkeit gerade nicht vom Feinsten. Aber trotzdem, ohne Bücher geht es nicht. Und ein paar Sachbücher sind auch dabei, die gehe ich Stück für Stück durch. Mehr dazu, wenn ich sie ausgelesen habe.

Bridget Collins: The Betrayals

At Montverre, an ancient and elite academy hidden high in the mountains, society’s best and brightest are trained for excellence in the grand jeu—the great game—an arcane and mysterious competition that combines music, art, math, poetry, and philosophy. Léo Martin once excelled at Montverre but lost his passion for scholarly pursuits after a violent tragedy. He turned to politics instead and became a rising star in the ruling party, until a small act of conscience cost him his career. Now he has been exiled back to Montverre, his fate uncertain…

Oh weh, das war nix. Hat sich so gut angehört, aber ich hab mich gepflegt gelangweilt, und das ganze nach 2/3 abgebrochen. Vielleicht einfach nicht der richtige Zeitpunkt?

 

V.E. Schwab: The Invisible Life of Addie LaRue 

Ein junges Mädchen schließt 1714 in einem kleinen französischen Dorf einen Pakt mit dem Teufel.

You can have my soul when I don’t want it any more.

Sie will nicht verheiratet werden und ihr einziges, kostbares Leben als Ehefrau und Mutter verbringen. Addie will mehr. Aber:

No matter how desperate or dire, never pray to the gods that answer after dark.

Der Teufel hilft, aber natürlich hat die Sache einen Haken. Addie ist jetzt zwar frei und ungebunden, aber dafür erinnert sich fortan niemand mehr an sie. Einmal umdrehen genügt.

Being forgotten, she thinks, is a bit like going mad. You begin to wonder what is real, if you are real. After all, how can a thing be real if it can not be remembered?

Sie kann nichts haben, nichts behalten, nichts erschaffen … nur etwas stehlen. Addie wandert durch die Jahrhunderte. Allein. Bis sie einen Jungen trifft, der sie nicht vergisst. Aber Henry hat seine ganz eigenen Probleme.

Ein sehr eindrückliches Buch, in dem es u.a. um Kunst geht, die Geburt von Ideen und vor allem um die Frage, was am Ende von uns bleibt und was wir bereit sind, dafür zu opfern.

Because time is cruel to all, and crueler still to artists. Because visions weaken and voices wither, and talent fades (…) Because happiness is brief and history is lasting and in the end (…) everyone wants to be remembered.“

Eine grandiose Geschichte, eine bemerkenswerte Heldin. Ich habe Addie sehr ins Herz geschlossen und werde dieses Buch sicher noch öfter zur Hand nehmen. Ganz große Leseempfehlung.

 

Jodi Taylor:  The Time Police Series

A long time ago in the future, the secret of time travel became known to all. Unsurprisingly, the world nearly ended. There will always be idiots who want to change history. Enter the Time Police. An all-powerful, international organisation tasked with keeping the timeline straight. At all costs. Their success is legendary. The Time Wars are over. But now they must fight to save a very different future – their own. This is the story of Jane, Luke and Matthew – the worst recruits in Time Police history. Or, very possibly, three young people who might change everything.

Ich lese ja immer wieder gerne, wie ein Team aus grundverschiedenen Menschen zusammenfindet (siehe ragtag bunch of misfits bei TV-Tropes). Hier sehr witzig, sehr spannend gemacht, kann ich nur empfehlen!

 

Rukmini Iyer: The Green Roasting Tin

Ich hatte mir für dieses Jahr vorgenommen, pro Woche ein veganes Rezept auszuprobieren. Das ist mir bisher nicht so gut gelungen, aber mit diesem schönen Kochbuch habe ich schon mal einen Anfang gewagt. Die Gerichte sind relativ einfach zu machen: einfach alles schnippeln und ab in den Ofen damit. Das kommt mir sehr entgegen, und die Thai Kokos-Suppe mit Süßkartoffeln und Nudeln war schon mal seeeeehr lecker.

 

 

März (Paul Cornell, Ursula LeGuin, Preston&Child, Leigh Bardugo, Susanne Ackstaller)

 

Paul Cornell: The Witches of Lydford

The villagers in the sleepy hamlet of Lychford are divided. A supermarket wants to build a major branch on their border. Some welcome the employment opportunities, while some object to the modernization of the local environment. Judith Mawson (local crank) knows the truth — that Lychford lies on the boundary between two worlds, and that the destruction of the border will open wide the gateways to malevolent beings beyond imagination. But if she is to have her voice heard, she’s going to need the assistance of some unlikely allies…

Eine Serie von Novellen über drei sehr unterschiedliche Hexen, die in einem kleinen englischen Städtchen leben. Ich habe erst drei gelesen, bin aber jetzt schon angefixt. Und was kann schon schiefgehen, wenn man bedenkt, dass der Autor für die englische Fernsehserie Dr. Who schreibt?!

 

Ursula LeGuin: Am Anfang war der Beutel (The Carrier Bag of Fiction Theory)

„The trouble is, we’ve all let ourselves become part of the killer story, and so we may get finished along with it. Hence it is with a certain feeling of urgency that I seek the nature, subject, words of the other story, the untold one, the life story“

Was, wenn wir Geschichten mal ganz anderes erzählen? Was, wenn es mal nicht um den Helden mit dem Speer, sondern um die Sammlerin mit ihrem Korb geht? Auf alle Fälle hat mir dieses kleine, eindrückliche Büchlein einen gehörigen Denkanstoß für mein eigenes Schreiben beschert…

 

 

Preston&Child: Old Bones – Tote lügen nie

1846 wird ein Siedler-Treck, bekannt als die Donner Party, in der Sierra Nevada vom Winter überrascht. Nur durch Kannibalismus kann ein Teil der Gruppe überleben. Doch das ist nicht die grausamste Wahrheit. Die Archäologin Dr. Nora Kelly ist begeistert, als ihr Hinweise auf das bis heute nicht entdeckte Lager der sagenumwobenen Donner Party zugespielt werden. Doch die Ausgrabungen erweisen sich schnell als erheblich gefährlicher, als Nora vermuten konnte. Bald führen ihre Recherchen die Archäologin und ihr Team auf die Spur eines Verbrechens in der Gegenwart, das weitaus grausamer und bizarrer ist als der Kannibalismus der Siedler…

Seit einiger Zeit ist die Bibliothek wieder geöffnet, und ich bin kurz mal reingehuscht, um mich mit neuem Lesestoff zu versorgen. Nichts geht über Tee, Kekse und einen spannenden Thriller an einem verregneten Nachmittag. Und der hier hat mich bis zur letzten Seite gefesselt.

 

Leigh Bardugo: King of Scars

Nikolai Lantsov has always had a gift for the impossible. No one knows what he endured in his country’s bloody civil war—and he intends to keep it that way. Now, as enemies gather at his weakened borders, the young king must find a way to refill Ravka’s coffers, forge new alliances, and stop a rising threat to the once-great Grisha Army. Yet with every day a dark magic within him grows stronger, threatening to destroy all he has built. With the help of a young monk and a legendary Grisha Squaller, Nikolai will journey to the places in Ravka where the deepest magic survives to vanquish the terrible legacy inside him. He will risk everything to save his country and himself. But some secrets aren’t meant to stay buried—and some wounds aren’t meant to heal.

Spannend, lebendig, eine prachtvolle Welt. Die Bücher aus dem Grishaverse machen einfach unglaublich viel Spaß. Große Leseempfehlung!

 

 Susanne Ackstaller: Die beste Zeit für guten Stil

Was mir in diesem eher trüben Monat sehr geholfen hat, war ein neues Buch, das mal in eine ganz andere Richtung geht als alles, was ich sonst so lese. Es lag nicht nur an der Krisenfrise (aka Coronafrisur), dass ich mein Spiegelbild nicht mehr leiden konnte. Mein Kleiderschrank sah genauso traurig aus. Und da ich dringend was ändern musste, warum nicht mit einem großen Ausmisten desselben beginnen? Das tat ich auch, und danach war mir schon leichter ums Herz. Dazwischen las ich immer wieder begeistert in diesem schön gemachten, witzigen und anregenden Buch herum. Es war, als würde man sich mit der besten Freundin und einem Glas Prosecco gemütlich machen und Tipps austauschen. Sehr empfehlenswert!

Projektplaner 2021

Ein wunderbar übersichtlicher Projektplaner mit vielen Extras. Man merkt, dass ihn ein Profi gestaltet hat. Ich bin sehr begeistert. Die Anschaffung lohnt sich, auch wenn das erste Vierteljahr schon rum ist.

 

April (Paul Cornell, Ursula Vernon, T.Kingfisher, T J Klune, Joanna Penn)

 

Paul Cornell: The Shadow Police

Wenn ich erst mal einen Autor entdeckt habe, fresse ich mich gerne durch alle seine Bücher durch. Und nachdem ich im letzten Monat die Hexen-Novellen Witches of Lydford inhaliert habe, bin ich von der Shadow Police ebenso angetan. Auch wenn das hier sehr viel mehr Dark Fantasy ist, als bei den Hexen. Worum es geht? Eine kleine Gruppe bunt zusammengewürfelter Polizisten und Polizistinnen hat durch einen dummen Zufall (oder war es Absicht?) plötzlich die Fähigkeit, allerlei merkwürdige Wesen zu sehen, die sich in London so herumtreiben. Und morden. Seeeehr spannend, sehr überraschend und supergut geschrieben. Möglichst nicht abends im Bett anfangen, dann könnte es eine lange Nacht werden (nicht weils so gruslig ist, sondern so spannend, dass man es nicht weglegen kann).

Im zweiten Band taucht übrigens mein Lieblingsautor Neil Gaiman auf und spielt sozusagen sich selbst. Klasse!

 

Ursula Vernon: Castle Hangnail

When Molly shows up on Castle Hangnail’s doorstep to fill the vacancy for a wicked witch, the castle’s minions are understandably dubious. After all, she is twelve years old, barely five feet tall, and quite polite. (The minions are used to tall, demanding evil sorceresses with razor-sharp cheekbones.) But the castle desperately needs a master or else the Board of Magic will decommission it, leaving all the minions without the home they love…

Ich lese sehr gerne Kinderbücher, und das hier hat mir sehr viel Spaß gemacht. Witzige, liebenswerte Charaktere, spannende Geschichte.

 

T. Kingfisher: The Clockwork Boys

A paladin, an assassin, a forger, and a scholar ride out of town. It’s not the start of a joke, but rather an espionage mission with deadly serious stakes. T. Kingfisher’s new novel begins the tale of a murderous band of criminals (and a scholar), thrown together in an attempt to unravel the secret of the Clockwork Boys, mechanical soldiers from a neighboring kingdom that promise ruin to the Dowager’s city. If they succeed, rewards and pardons await, but that requires a long journey through enemy territory, directly into the capital. It also requires them to refrain from killing each other along the way!

Absolute Leseempfehlung, dark, humorvoll, ein wunderbares (Lese)Abenteuer.

 

T.J. Klune: The House in the Cerulean Sea

Linus Baker leads a quiet, solitary life. At forty, he lives in a tiny house with a devious cat and his old records. As a Case Worker at the Department in Charge Of Magical Youth, he spends his days overseeing the well-being of children in government-sanctioned orphanages. When Linus is unexpectedly summoned by Extremely Upper Management he’s given a curious and highly classified assignment: travel to Marsyas Island Orphanage, where six dangerous children reside: a gnome, a sprite, a wyvern, an unidentifiable green blob, a were-Pomeranian, and the Antichrist. Linus must set aside his fears and determine whether or not they’re likely to bring about the end of days.

Manchmal hat man Glück und stolpert über Bücher, in die man am Liebsten sofort hineinkriechen und darin wohnen möchte. Das hier ist so eines und ich liebe es sehr. Absolute Leseempfehlung.

 

Joanna Penn: Businessplan für Autoren

Warum mache ich das eigentlich alles, wo will ich hin damit, wie soll es weitergehen? Was schreibe ich als Nächstes und wieso? Und wo bleibt der Spaß? Das sind einige der Fragen, die mich immer mal wieder umtreiben. Damit mein Autorendasein auf festem Boden steht, habe ich mir gedacht, mal in dieses Büchlein hineinzusehen. Habs nicht bereut. Es stellt zwar seinerseits viele Fragen, gibt aber auch Anregungen zu deren Beantwortung. Ich muss auf alle Fälle über einiges nachdenken. Da folgt demnächst noch ein Blogbeitrag zu.

 

Mai (Stephen King, Katja Oskamp, Ian Rankin, Zoe Beck, Carol Dweck)

 

Stephen King: Später

Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ein normaler neunjähriger Junge. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, aber er steht seiner Mutter Tia, einer Literaturagentin, sehr nahe. Die beiden haben ein Geheimnis: Jamie kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und sogar mit ihnen reden. Und sie müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestsellersaga bleibt leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe … Die beiden treten eine Reihe von unabsehbaren Ereignissen los, und schließlich geht es um, nun ja, Leben und Tod.

Ich mag seine Bücher ja sehr, vor allem die Klassiker, wie Shining, Carrie oder Es. Das hier kommt zwar nicht ganz an sie heran, ist aber solide gemachte Unterhaltung vom Meister.

 

Katja Oskamp ist Mitte vierzig, als ihr das Leben fad wird. Das Kind ist aus dem Haus, der Mann ist krank, die Schriftstellerei, der sie sich bis dahin gewidmet hat: ein Feld der Enttäuschungen. Also macht sie etwas, was für andere dem Scheitern gleichkäme: Sie wird Fußpflegerin in Berlin-Marzahn, einst das größte Plattenbaugebiet der DDR. Und schreibt auf, was sie dabei hört.

Eine Stadt liest ein Buch im Mai: Berlin liest ein Buch. Und hat sich diese Erzählungen ausgesucht. Sehr humorvoll, sehr berührend. Hat mir Lust auf Marzahn gemacht. Hier geht es zu meiner Kurzrezi und einem kleinen Film dazu.

 

Ian Rankin: A Song for the dark times

When his daughter Samantha calls in the dead of night, John Rebus knows it’s not good news. Her husband has been missing for two days. Rebus fears the worst – and knows from his lifetime in the police that his daughter will be the prime suspect. He wasn’t the best father – the job always came first – but now his daughter needs him more than ever. But is he going as a father or a detective? As he leaves at dawn to drive to the windswept coast – and a small town with big secrets – he wonders whether this might be the first time in his life where the truth is the one thing he doesn’t want to find…

Klassischer Krimistoff, spannende Lektüre. Rankin: immer wieder gut.

 

Zoe Beck: Depression

Mehr als 5 Millionen Deutsche leben mit einer Depression, laut Weltgesundheitsorganisation handelt es sich dabei global gesehen inzwischen um die zweithäufigste »Volkskrankheit«. Was früher tabuisiert war und heute noch allzu oft verschwiegen wird, ist inzwischen eine anerkannte Krankheit.
Woher kommt sie und wie gehen Betroffene mit ihr um? Wie hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der Krankheit im Laufe der Zeit gewandelt? Und wie geht man mit depressiven Menschen am besten um? Die Schriftstellerin Zoë Beck geht den Ursachen, Auswirkungen und Folgen der Krankheit auf den Grund – sachlich und präzise, aber auch humorvoll und bisweilen persönlich.

Zoe Beck gelingt es, dieses große Thema auf 100 Seiten so umfassend wie nur möglich darzustellen. Ehrlich, offen und informativ. Ein wichtiger Beitrag gegen Stigmatisierung. Selbst als langjährig Betroffene hab ich wieder Neues hinzugelernt. Große Leseempfehlung.

 

Carol Dweck: Mindset

After decades of research, world-renowned Stanford University psychologist Carol S. Dweck, Ph.D., discovered a simple but groundbreaking idea: the power of mindset. In this brilliant book, she shows how success in school, work, sports, the arts, and almost every area of human endeavor can be dramatically influenced by how we think about our talents and abilities. People with a fixed mindset—those who believe that abilities are fixed—are less likely to flourish than those with a growth mindset—those who believe that abilities can be developed.

Persönliches Wachstum oder Stillstand? Das ist natürlich keine Frage, oder bzw es ist eine Frage, die ich gerne mit Wachstum beantworten würde. Warum ich mich in so einigen Bereichen meines Lebens trotzdem an den Status Quo und somit eher an den Stillstand klammere, das hat mir dieses Buch deutlich vor Augen geführt. Auf alle Fälle was zum Nachdenken… (und nein, es geht hier glücklicherweise nicht um Selbstoptimierung, sondern um Erfüllung).

 

Juni (Karen Duve, Adrian Tchaikovsky, Patricia Cornwell)

 

Karen Duve: Fräulein Nettes kurzer Sommer

Fräulein Nette ist eine Nervensäge! Dreiundzwanzig Jahre alt, heftig, störrisch und vorlaut, ist sie das schwarze Schaf, das nicht in die Herde ihrer adligen Verwandten passen will. Das Schlimmste ist ihre scharfe Zunge. Wenn die Künstlerfreunde ihres Onkels August nach Bökerhof kommen, über Kunst und Politik sprechen, mischt sie sich ungefragt ein. Wilhelm Grimm bekommt bereits Panik, wenn er sie nur sieht. Ein Enfant terrible ist sie, wohl aber nicht für alle. Heinrich Straube, genialischer Mittelpunkt der Göttinger Poetengilde, fühlt sich jedenfalls sehr hingezogen zu der Nichte seines besten Freundes. Allerdings ist er nicht der einzige. Was folgt ist eine Liebeskatastrophe mit familiärem Flächenbrand.

Ein Roman über die deutsche Dichterin Anette von Droste-Hülshoff. Eine intelligente junge Frau, eingeklemmt in das viel zu enge Gesellschafts-Korsett ihrer Zeit. Große Leseempfehlung!

 

Adrian Tchaikovsky: Bearhead

Jimmy Martin has a sore head. He’s used to smuggling illegal data in his headspace. But this is the first time it has started talking to him. The data claims to be a distinguished academic, author and civil rights activist. It also claims to be a bear. A bear named Honey. Jimmy has nothing against bioforms – he’s one himself, albeit one engineered out of human stock – and works with them everyday in Hell City, building the future, staking mankind’s claim to a new world: Mars. The problem is that humanity isn’t the only entity with designs on the Red Planet. Out in the airless desert there is another presence. A novel intelligence, elusive, unknowable and potentially lethal. And Honey is here to make contact with it, whether Jimmy likes it or not.

Das ist eigentlich der zweite Teil von Dogs of War (hier meine Kurzrezi dazu), kann aber auch alleine gelesen werden. Und ist vor allem genauso genial. Ich bin ja mittlerweile ein großer Tchaikovsky-Fan (hier meine Kurzrezi zu seinem Kinder der Zeit). Absolute Leseempfehlung!

 

Patricia Cornwell: Quantum

On the eve of a top secret space mission, Captain Calli Chase detects a tripped alarm in the tunnels deep below a NASA research center. A NASA pilot, quantum physicist, and cybercrime investigator, Calli knows that a looming blizzard and government shutdown could provide the perfect cover for sabotage, with deadly consequences. As it turns out, the danger is worse than she thought.

Ich habe ihre Kay Scarpetta Thriller verschlungen und als ich jetzt was Neues in die Finger bekam, nicht lange gezögert. Leider ist Quantum so dermassen langweilig, dass ich es nach der Hälfte weggelegt habe. Ein solch fataler Fall von Info-Dumping ist mir noch nie unergekommen. Cornwell hat zwei Jahre für dieses Buch recherchiert, u.a. in diversen NASA Forschungszentren. Leider hat sie das Buch mit ihrem ganzen Wissen dermassen vollgestopft, dass die Figuren und die Handlung dahinter völlig zurückbleiben. Mein Fazit: Lohnt sich nicht.

 

Juli (Stephan Porombka, Patricia Briggs, Holly Black, Chris Brookmyre, Mariana Leky)

 

Stephan Porombka: Schreiben unter Strom

Dieser Band verführt zum Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co. Es gilt, neue Möglichkeiten für Literatur zu erkunden, im Electric Writing vom User zum Produzenten zu werden.

Ein paar gute Tipps und Tricks. Mir hat es vor allem die Idee vom Zauberzirkel angetan.

 

Patricia Briggs: Die Alpha & Omega Reihe

Urban Fantasy vom Feinsten. Werwölfe, Vampire, Elfen und alles in modernen Zeiten angesiedelt. Ich habe ich im Handumdrehen (oder besser: im Seitenumdrehen) durch die ganze Reihe durchgefressen. Was ich sehr mochte: der starke Alpha-Wolf wird von seinem ’schwachen‘ Weibchen unterstützt und gerettet. Nicht nur einmal. Spannend, witzig, gut geschrieben. Kurzum: perfekte (Sommer) Unterhaltung und Strandlektüre.

 

Holly Black: The Curse Workers (1-3)

Cassel Sharpe comes from a family of curse workers, people who have the power to change emotions, memories, and luck with the slightest touch of their hands. And since curse work is illegal, they’re also all criminals. Many become mobsters and con artists, but not Cassel. He doesn’t have magic, so he’s an outsider, the straight kid in a crooked family—except for the small detail that he killed his best friend, Lila, three years ago. Cassel has carefully built up a facade of normalcy, blending into the crowd. But his facade starts to crumble when he finds himself sleepwalking, propelled into the night by terrifying dreams about a white cat that wants to tell him something. He’s noticing other disturbing things, too, including the strange behavior of his two older brothers, who are keeping secrets from him. As Cassel begins to suspect he’s an unwitting pawn in a huge con game, he must unravel his past, and his memories. To find the truth, Cassel will have to out-con the conmen.

Ein absolut spannender Dreiteiler von Holly Black. Cassel muss sich in seiner kriminellen Familie behaupten, wird in eine haarsträubende Angelegenheit nach der anderen verwickelt und ist selbst alles andere als unschuldig. Oder doch nicht? Hat mir sehr viel Spaß gemacht.

 

Chris Brookmyre: The Cut

Millie Spark can kill anyone. A special effects make-up artist, her talent is to create realistic scenes of bloody violence. Then, one day, she wakes to find her lover dead in her bed. Twenty-five years later, her sentence for murder served, Millicent is ready to give up on her broken life – until she meets troubled film student and reluctant petty thief Jerry. Together, they begin to discover that all was not what it seemed on that fateful night . . . and someone doesn’t want them to find out why.

Ein spannender, schwarzhumoriger Krimi mit einer ungewöhnlichen Heldin. Liest sich ganz wunderbar weg.

 

Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.

Ganz, ganz, ganz wunderbar. Märchenhaft und mit einem feinen Gefühl für Sprache erzählt. Mein Favorit im Juli. Hat mich sehr begeistert.

 

August (Ursula Vernon, Charlotte Wood, Alice Hoffmann, Anne Bishop, Jodi Taylor)

 

Ursula Vernon: Black Dogs (Bd.1+2)

Black Dogs: The House of Diamond is the first of two volumes chronicling the adventures of young Lyra, sole survivor of the massacre of her family’s estate. Along with a wandering dog-soldier, she is swept up on a mission for the elven nation of Anu’tintavel in its war against a powerful sorcerer. With the help of a pair of female elves, a scout and a warrior, the frightened, bookish girl discovers new talents and confidence that make her a key player in the elves conflict.

Black Dogs: The Mountain of Iron. After learning in the first volume that things at the House of Diamond are not what they seemed, Lyra and her companions set out to Anu’tintavel to pass the news on to the elves. They are joined by Spite, a Ferran; Gunnar, a Slothan; and Kuroinu, a woman with an unusual past from the Tchang empire. After a long journey, they arrive at Anu’tintavel to find the battle with Vade already in full swing. Lyra has come a long way since the beginning of her journey, and the talents she has developed come in handy in many surprising ways.

Ich habe leider noch nie so richtig Pen&Paper gespielt, aber so stelle ich mir das ungefähr vor: eine epische Heldinnenreise voller Gefahren und Überraschungen. Hab beide Bücher sehr gerne (und sehr schnell) gelesen.

 

Charlotte Wood: Das Wochenende

Unterschiedlicher hätten die Leben der vier Freundinnen kaum verlaufen können, und doch bleiben sie sich über die Jahrzehnte hinweg treu: Jude, die kultivierte Gastronomin, deren Affäre mit dem verheirateten Daniel schon fast so lange währt wie der Freundeskreis; Adele, einst gefeierte Schauspielerin, die eben von ihrer Freundin verlassen wurde; Wendy, die feministische Intellektuelle, der das Verständnis für die eigenen Kinder nicht so leichtfällt wie das Schreiben komplexer Bücher; und schließlich die warmherzige, fürsorgliche Sylvie, der Kitt der Gruppe. Als Sylvie stirbt, wird den drei anderen klar, dass sie ohne ihre Freundin neu definieren müssen, was sie zusammenhält. An einem gemeinsamen Wochenende in Sylvies altem Strandhaus fördern allzu viel Wein und ungebetene Gäste zudem ein wohlbehütetes Geheimnis zutage, das ihre jahrelange Freundschaft auf die Probe stellt.

Mit viel Humor, Wärme und unerbittlicher Klarheit geschrieben. Ich mochte es sehr. Vor allem, dass die drei Frauen noch lange nicht am Ende angelangt sind, und trotz alledem immer noch voller Leben stecken. Einzig der Schluss ging mir dann doch etwas zu schnell. Ich hätte am liebsten einen zweiten Band, um zu erfahren, wie es mit den dreien weiter geht.

 

Alice Hoffmann: Practical Magic

For more than two hundred years, the Owens women have been blamed for everything that went wrong in their Massachusetts town. Gillian and Sally endured that fate: As children, the sisters were forever outsiders, taunted, talked about, pointed at. Their elderly aunts almost seemed to encourage the whispers of witchery, with their darkened house and their love concoctions and their crowd of black cats. All Gillian and Sally wanted to do was escape. One would do so by marrying, the other by running away. But the bonds they shared brought them back to each other, and to the magic they couldn’t escape.

Eines der wenigen Bücher, bei denen ich die (gleichnamige) Verfilmung gelungener fand. Atmosphärischer, dichter (und mit tollen Schauspielerinnen). Aber gelesen hab ich es trotzdem ganz gerne.

 

Anne Bishop: Written in Red

As a cassandra sangue, or blood prophet, Meg Corbyn can see the future when her skin is cut—a gift that feels more like a curse. Meg’s Controller keeps her enslaved so he can have full access to her visions. But when she escapes, the only safe place Meg can hide is at the Lakeside Courtyard—a business district operated by the Others. Shape-shifter Simon Wolfgard is reluctant to hire the stranger who inquires about the Human Liaison job. First, he senses she’s keeping a secret, and second, she doesn’t smell like human prey. Yet a stronger instinct propels him to give Meg the job. And when he learns the truth about Meg and that she’s wanted by the government, he’ll have to decide if she’s worth the fight between humans and the Others that will surely follow. 

Wieder mal eine ganze Serie (The Others) und eine Welt, in man sich so richtig abtauchen kann. Bin jetzt bis Band Drei gekommen. Originell, spannend, gut geschrieben. Mehr will ich ja gar nicht …  😉

 

Jodi Taylor: A Bachelor Establishment

Elinor Bascombe, widowed and tied to an impoverished estate, has learned to ask little of life. With no hope of leaving, the years have passed her by. Lord Ryde, exiled abroad after a scandal, has returned to strip his estate and make a new start in America. A chance encounter changes their plans, plunging Elinor and Lord Ryde into adventure and not a little peril until, finally, they are forced to confront the mystery of what happened on That Night, all those years ago. Are they both so entangled in the riddles of the past that they are about to miss this one last opportunity for future happiness?

Witzig, ironisch, für alle Fans von den Brontes und Jane Austen.

 

September (Seanan McGuire, Grady Hendrix, Joanne Harris)

 

Seanan McGuire: The October Daye Books

Faerie has always been with us. The fairy tales, ballads, and folklore of the mortal world are only shadows of the true, sometimes terrible reality of the fae. They survive in secrecy, keeping their Courts in the places where the light doesn’t fall, existing in parallel to the world we know. They aren’t human. They don’t want to be. But sometimes they take human lovers, and sometimes, those unions are fertile ones. Changelings aren’t stolen children; they’re mortal halfbreeds born where the fae and human worlds collide, never able to fully belong to either, outsiders from birth. October Daye knows how cruel Faerie can be to its changeling children. Born in San Francisco and carried to the Summerlands by her pureblood mother when she was just a child, she was raised in a world that never seemed capable of understanding her. She ran away the moment the opportunity presented itself, only to find that the human world wasn’t any better. Things have been going downhill ever since. The October Daye books follow the adventures of October „Toby“ Daye as she tries to find her footing in a world that seems a little more interested in killing her than she’d like.

Eine Serie mit einer glaubhaften, chaotischen, willenstarken Heldin und einem fantastischen Weltenbau. Ich kann so richtig darin abtauchen und habe mich bereits durch neun Bände durchgefressen. Und es gibt insgesamt vierzehn! Bin gerade eine sehr glückliche Leserin…

 

Grady Hendrix: The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires

Patricia Campbell’s life has never felt smaller. Her husband is a workaholic, her teenage kids have their own lives, her senile mother-in-law needs constant care, and she’s always a step behind on her endless to-do list. The only thing keeping her sane is her book club, a close-knit group of Charleston women united by their love of true crime. At these meetings they’re as likely to talk about the Manson family as they are about their own families. One evening after book club, Patricia is viciously attacked by an elderly neighbor, bringing the neighbor’s handsome nephew, James Harris, into her life. James is well traveled and well read, and he makes Patricia feel things she hasn’t felt in years. But when children on the other side of town go missing, their deaths written off by local police, Patricia has reason to believe James Harris is more of a Bundy than a Brad Pitt. The real problem? James is a monster of a different kind—and Patricia has already invited him in.

Eine verdammt gut gemachte Horrorstory. Hab mich beim Lesen oft gefragt, wer denn nun hier der wahre Bösewicht ist. Und die Ladys schlagen sich wirklich sehr tapfer. Nichts für schwache Nerven (aber prima für Halloween). Jetzt habe ich große Lust, wieder einen Buchclub zu gründen.

 

Joanne Harris: Gentleman and Players

For generations, privileged young men have attended St. Oswald’s Grammar School for Boys, groomed for success by the likes of Roy Straitley, the eccentric Classics teacher who has been a fixture there for more than thirty years. But this year the wind of unwelcome change is blowing. Suits, paperwork, and information technology are beginning to overshadow St. Oswald’s tradition, and Straitley is finally, and reluctantly, contemplating retirement. He is joined this term by five new faculty members, including one who — unbeknownst to Straitley and everyone else — holds intimate and dangerous knowledge of St. Oswald’s ways and secrets. Harboring dark ties to the school’s past, this young teacher has arrived with one terrible goal: to destroy St. Oswald’s.

Joanne Harris kann nicht nur Romance (Chocolat!) und Fantasy, sondern auch erstklassige, psychologisch fein ausgeleuchtete Thriller schreiben. Ich musste mir gleich anschliessend auch noch A Different Class besorgen und lesen, was an derselben Schule, nur etwas später, passiert (beide Bände sind aber in sich abgeschlossen). Ein echtes Lesevergnügen für Fans intelligenter Spannung und unerwarteter Wendungen.

 

Oktober (N.K. Jeminsin, Katharina Köller, Paul Bokowski, Jodi Taylor, Naomi Novik, Ray Bradbury)

 

N.K. Jemisin: The City We Became

Five New Yorkers must come together in order to defend their city. Every city has a soul. Some are as ancient as myths, and others are as new and destructive as children. New York City? She’s got five. But every city also has a dark side. A roiling, ancient evil stirs beneath the earth, threatening to destroy the city and her five protectors unless they can come together and stop it once and for all.

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf, und bist Kreuzberg. Oder Zehlendorf. Berlin wird lebendig und jemand (oder etwas?) will das unbedingt verhindertn. Genau das passiert in diesem phantastischen Roman. Menschen verwandeln sich in Avatare der Stadtteile New Yorks und müssen verhindern, dass die Stadt untergeht (so wie einst Atlantis oder Pompeji). Absolut geniale Idee, phantastisch umgesetzt. Ein Liebeslied für New York und das vielfältige, bunte Leben. Großer Lesetipp!

 

Paul Bokowski: Bitte nehmen Sie meine Hand da weg

In seinem neuen Buch berichtet der Großmeister treffsicherer Pointen aus sämtlichen Gefahrenzonen des Alltags. Gibt es einen Knigge für Kleinanzeigen? Was wenn die Airline noch auf dem Rollfeld Insolvenz anmeldet? Und wer erklärt dem Vater im Vorruhestand, was ein Menstruationsbecher ist? Das Leben steckt voller Tücken. Lachen wir, solange wir noch können.

Hanebüchene Storys von wilden Staubsaugerrobotern und merkwürdigen Begegnungen auf Lesetour. Er versteht es einfach, den ganz alltäglichen Wahnsinn so geschickt aufs Korn zu nehmen, dass man selbst mit etwas mehr Gelassenheit in den Tag startet.
Bokowski ist übrigens nicht nur Lesebühnenautor, sondern auch begeisterter Bäcker. Auf Der muss haben sieben Sachen gibts sehr leckere und einfache Kuchenrezepte.

 

Katharina Köller: Was ich im Wasser sah

Der tätowierte Oktopus auf ihrer nunmehr flachen Brust schützt sie vor den Blicken, und zugleich ist er ein Zeichen ihres Triumphs: Denn Klarissa hat gesiegt. Ihre Kräfte kehren langsam wieder zurück, umso fester steht ihr Entschluss: Sie wird sich nichts mehr wegnehmen lassen. Es ist Jahre her, dass sie die Insel verlassen hat. Nun kehrt sie zurück – zurück zur „Schwankenden Weltkugel“, dem Gasthaus auf der Klippe, zurück zu ihrem Vater, dem wortkargen Meister der Fischkunst, zu ihrem gutherzigen Bruder Bill und ihrer Schwester Irina, die an jenem Tag zu ihnen stieß, als Klarissa fast im Meer ertrank.

Ein spannendes Thema, aber ich bin mit dem Roman leider nicht so richtig warm geworden. Er schien mir irgendwie ’nicht Fisch, nicht Fleisch‘. Märchenhaft, mit phantastischen Elementen, literarisch bemüht … mich hats trozudem kalt gelassen. Schade.

 

Jodi Taylor: Saving Time

Life is good for Team Weird, now heroes and fully fledged Time Police officers. Luke can’t wait to bear arms. Jane has a date. And Matthew still hasn’t had his hair cut. But Time waits for no one and neither do criminal masterminds. A major threat to the Timeline is looming, one far deadlier than mere idiots who want to change history. And when a familiar face becomes a Very Important Lead, will conflicting family loyalties spell trouble for Team Weird? One missing. One guilt-ridden. And one facing the end of their Time Police career before it’s even begun. Not so good then, after all.

Der neue, dritte Band der Time Police Reihe (die ersten zwei habe ich im Februar gelesen). Nicht ganz so spannend wie die ersten, aber immer noch saugut.

 

Ray Bradbury: Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Bill« Halloway und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.

Es ist der uralte Kampf von Gut gegen Böse, den Bradbury hier in eine stimmungsvolle, gruselige Geschichte kleidet, voller Herbstlaub und Zuckerwatte, Nachtfaltern und Lakritze. Ich habe den Roman vor über 30 Jahren das erste Mal gelesen und seit dem immer mal wieder, weil er mich so fasziniert.

 

Naomi Novik: The last Graduate

At the Scholomance, El, Orion, and the other students are faced with their final year–and the looming specter of graduation, a deadly ritual that leaves few students alive in its wake. El is determined that her chosen group will survive, but it is a prospect that is looking harder by the day as the savagery of the school ramps up. Until El realizes that sometimes winning the game means throwing out all the rules . . .

Der zweite Teil der Scholomance-Bücher von Naomi Novik. Den ersten habe ich im Januar gelesen. Die Geschichte über die magische Schule, die sich von ihren Schülern ernährt, bleibt spannend. Dieser Teil hat ein unerwartetes Ende, ein echter Cliffhanger, der mich voller Vorfreude auf den dritten Teil lauern lässt.

 

November (Juli Zeh, Mira Grant, Seanan McGuire, Terry Pratchett)

 

Juli Zeh: Über Menschen

Dora ist mit ihrer kleinen Hündin aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel, mehr Freiheit, Raum zum Atmen. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint…

Ich mag ihre Art und Weise, mit Sprache umzugehen, sie hat immer wieder neue Bilder parat. Und auch wenn man diesem Roman anmerkt, dass die Autorin ein Anliegen hatte (nämlich, dass wir wieder mehr miteinander reden), hat er mich trotzdem fasziniert.

 

Mira Grant: The Rising (The Newsflesh Trilogie)

The year was 2014. We had cured cancer. We had beat the common cold. But in doing so we created something new, something terrible that no one could stop. The infection spread, virus blocks taking over bodies and minds with one, unstoppable command: FEED. Now, twenty years after the Rising, Georgia and Shaun Mason are on the trail of the biggest story of their lives —the dark conspiracy behind the infected. The truth will out, even if it kills them.

Zombie Romane? Nee, nix für mich. Dachte ich jedenfalls, bis ich auf diese stieß. Und das auch nur, weil Mira Grant ein Pseudonym von Seanan McGuire ist. Und die lese ich nun wirklich sehr gerne (Z.B. die October Daye Bücher). Sie schreibt fantastisch lebendig und superspannend. Ich habs hintereinander weg gesuchtet.

 

Mira Grant: Into the Drowning Deep

Seven years ago the Atargatis set off on a voyage to the Mariana Trench to film a mockumentary, bringing to life ancient sea creatures of legend. It was lost at sea with all hands. Some have called it a tragedy; others have called it a hoax. Now, a new crew has been assembled to investigate. And they’ll discover that whatever is down there is definitely no joke . . .

Mörderische Meerjungfrauen! Und ein rasanter Action-Thriller noch dazu (mit einigen Horror-Momenten). Diese Autorin packt mich jedes mal wieder. Nichts für schwache Nerven, aber eine definitive Leseempfehlung.

 

Seanan McGuire: Every heart a Doorway

Children have always disappeared under the right conditions; slipping through the shadows under a bed or at the back of a wardrobe, tumbling down rabbit holes and into old wells, and emerging somewhere… else. But magical lands have little need for used-up miracle children. Nancy tumbled once, but now she’s back. The things she’s experienced… they change a person. The children under Miss West’s care understand all too well. And each of them is seeking a way back to their own fantasy world. But Nancy’s arrival marks a change at the Home. There’s a darkness just around each corner, and when tragedy strikes, it’s up to Nancy and her new-found schoolmates to get to the heart of things. No matter the cost.

Was passiert eigentlich  mit den Kindern, die zurück finden aus Wunderland/Narnia/Fantasia? Die sich hier nicht mehr zurecht finden? Sie landen in Miss Wests Heim. Und dann geht es erst richtig los. Fantastisch, ein bißchen dark, sehr spannend. Und der Auftakt für eine ganze Reihe! Große Leseempfehlung.

 

Terry Pratchett: Snuff

This is the countryside, after all. Everyone sees where you go and you never know who is behind a hedge. And if you’re very unlucky, the person behind the hedge could have very unfriendly intentions. It may look idyllic, but the countryside isn’t all flowers and thatched cottages and bracing walks in your best tweed. Beneath the greenery lies a dark underbelly, and there’s something about rambling country houses that attracts dastardly plots and grisly murder. A challenge for any detective, but especially for one bred in the city who doesn’t understand the Way Things Are Done. In the countryside, people know their place, and everyone else’s place too, especially if it’s beneath their own. And they have some rather old fashioned ideas about people who are different from them.

Ich überlege, ob ich mir nicht endlich mal eine komplette Sammlung seiner Discworld-Romane zulege. Er ist und bleibt einer der Besten.

 

Dezember (Elizabeth Strout, Balint (u.a.), Seanan MacGuire, Louise Penny)

 

Elizabeth Strout: Oh, William!

In ihrem neuen Roman erzählt Lucy Barton (die Heldin aus den Romanen »Die Unvollkommenheit der Liebe« und »Alles ist möglich«) von der komplexen und innigen Beziehung zu ihrem ersten Mann William, von den Anfängen, als sie noch studierten, von ihren beiden Töchtern und vom schmerzvollen Ende ihrer Ehe. Doch obwohl sie neue Partner, neue Liebe finden, bleiben sie einander jahrzehntelang verbunden. Und als William Hilfe braucht, ist es Lucy, an die er sich wendet …

Gleich vorneweg: ich habe schon einiges von Strout gelesen und sehr geliebt. Aber hier ist sie mir gehörig auf den Keks gegangen. Die Handlung entspinnt sich in Episoden, hüpft vor und zurück, mäandert so vor sich hin und wird immer wieder von Oh! Ausrufen unterbrochen. Man soll wohl als Leser*in das Gefühl bekommen, mit der Erzählerin zusammen am Küchentisch zu sitzen. Mag sein. Aber Oh Elizabeth, möchte ich ihr zurufen, das nervt trotzdem.

 

Balint (u.a.) Brotjobs & Literatur

Autor:innen haben meist Brotjobs, sprechen aber selten darüber. Selbst sie gehen oft davon aus, dass bei preisgekrönten Kolleg:innen das literarische Schaffen die tragende Einnahmequelle ist. Wie unter teils prekären Bedingungen Literatur geschrieben wird, wie sich die Arbeitssituation auf Autor:innen und ihre Werke auswirkt, welche Wechselwirkungen von Brotberufen und literarischem Arbeiten es geben kann – davon erzählen diese Texte.

Da bin ich sofort drauf angesprungen. Dass nur einige wenige Bestsellerautoren wirklich vom Schreiben leben können, ist glaube ich immer noch nicht hinreichend bekannt. Und was es bedeutet, sich tagtäglich nicht nur um das Schreiben selbst, sondern noch um dessen Vermarktung (z.B. auf Social Media) sowie Lesungen etc zu kümmern, war mir vorher selbst nicht klar. All das wird natürlich hier behandelt. Aber ich muss gestehen, dass die meisten Texte einen weinerlich-arroganten Unterton haben, der mir überhaupt nicht gefällt. Oder vielleicht ist es ja auch nur der graue Dezember, der mir die Laune verhagelt? Die Strout habe ich ja auch nicht gemocht (siehe oben). Aber immerhin las ich sie zuende, während ich dieses Buch nach der Hälfte aufgeggeben habe. Seufz.

 

Seanan MacGuire: A Killing Frost (October Daye Bd.14) und The Unkindest Tide (Bd.13)

When October is informed that Simon Torquill—legally her father, due to Faerie’s archaic marriage traditions—must be invited to her wedding or risk the ceremony throwing the Kingdom in the Mists into political turmoil, she finds herself setting out on a quest she was not yet prepared to undertake for the sake of her future…. and the man who represents her family’s past.

Hundreds of years ago, the Selkies made a deal with the sea witch: they would have the sea for as long as she allowed it, and when the time came, she would call in all their debts at once. Many people assumed that day would never come. Those people were wrong.

Ich habe mich in diesem Jahr tatsächlich zum ertsen Mal für eine lange Serie begeistern können. Die Autorin hats einfach drauf, der Weltenbau ist reichhaltig und überzeugend und die Charaktere lebendig. Spannend ist es dazu. Macht einfach Spaß!

 

Seanan MacGuire: Sparrow Hill Road

Rose Marshall died in 1952 in Buckley Township, Michigan, run off the road by a man named Bobby Cross—a man who had sold his soul to live forever, and intended to use her death to pay the price of his immortality. Trouble was, he didn’t ask Rose what she thought of the idea. It’s been more than sixty years since that night, and she’s still sixteen, and she’s still running. They have names for her all over the country: the Girl in the Diner. The Phantom Prom Date. The Girl in the Green Silk Gown. Mostly she just goes by “Rose,” a hitchhiking ghost girl with her thumb out and her eyes fixed on the horizon, trying to outrace a man who never sleeps, never stops, and never gives up on the idea of claiming what’s his. She’s the angel of the overpass, she’s the darling of the truck stops, and she’s going to figure out a way to win her freedom. After all, it’s not like it can kill her. You can’t kill what’s already dead.

Ich bewundere die Autorin sehr. Was für ein unermüdlicher Schöpfungsdrang, wieviele Storys! Die hier ist eine schöne, klassische Gespenstergeschihchte, die mit dem Mythos der amerikanischen Highways spielt, dem On-the-road sein. Immer unterwegs, nie ankommen. Und all die Legenden , die sich darum gebildet haben.

 

Louise Penny: Der vermisste Weihnachtsgast

Weihnachten steht vor der Tür, und in Québec bedeutet das funkelnde Lichter, verschneite Landschaften und trautes Beisammensein vor knisternden Kaminen. Doch für Chief Inspector Armand Gamache liegt diesmal ein Schatten über der besinnlichen Jahreszeit. Sein Rivale Sylvain Francoeur hat bei der Sûreté du Québec in Montréal ordentlich ausgemistet. Das Resultat: Die berühmte Mordkommission ist nur mehr ein Haufen von Taugenichtsen und Faulenzern…

Das ist Band neun einer ganzen Reihe um Inspector Gamache. Normalerweise picke ich mir nicht einen Band mitten aus einer Reihe raus, aber ich hatte irgendwann schon mal einige davon gelesen, und außerdem wollte ich gerne was Weihnachtliches haben. Fazit: nix mehr rauspicken, lieber in der Reihenfolge lesen. Irgendwie hat mir doch zuviel gefehlt. Obwohl die Story an sich ordentlich spannend war und ich das kleine Dorf Three Pines, in dem die Story hauptsächlich spielt, sehr mag. Es ist voller skuriler Gestalten und gleichzeitig ein Zufluchtsort, abgeschnitten von der Welt, in dem die Uhren etwas anders gehen (kein Internet!). Werde die Reihe wohl noch mal von vorne anfangen.

 

Das wars für dieses Jahr!

Aber weil es so schön war, geht es hier weiter mit meinem Bücherjahr 2022. Ich freue mich schon auf neue Entdeckungen und alte Schätze.

Guck doch mal vorbei.

 

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