Mein Wort des Jahres 2022: Fülle

Mein Wort des Jahres 2022: Fülle

Die Idee, sich ein Motto/ein Wort für das Jahr zu setzen, finde ich in mancherlei Hinsicht ganz spannend. Zum einen kann ich mich mit einem Thema näher befassen, das mich interessiert oder umtreibt, zum anderen kann ich verschiedene Aspekte meines Lebens dazu beleuchten und zusammenfassen. Es ist wie ein roter Faden, der sich durch die Monate zieht, etwas, an dem ich mich orientiere und das mich daran erinnert, was mir wichtig ist.

Als mein Motto für 2022 habe ich Fülle ausgesucht. Zu viel, zu wenig? Überfluss und Mangel? Das beschäftigt mich gerade auf vielen, ganz unterschiedlichen Ebenen.

Entscheidungen

Um mich herum eine Fülle von Ideen, eine Fülle von Möglichkeiten. Und das eigene kleine Leben scheint mir gerade so schrecklich beschränkt. Wie entscheide ich mich dafür, was ich tun möchte, wenn es so vieles gibt, was ich tun könnt, möchte, müsste?

Dieses Jahr werde ich sechzig und ich werde das Gefühl nicht los, dass Türen vor meiner Nase zuklappen. Sie klappten schon eine ganze Weile, aber nun eben immer schneller und schneller. Wie viel Zeit habe ich noch, wie viel gute Jahre? Zeit, um etwas zu erreichen, Zeit, um zu genießen?

Kürzlich bin ich über ein Buch zu genau diesem Thema gestolpert: 4000 Weeks: Time and how to use it von Oliver Burkeman. Viertausend Wochen? Ja, genau, so viele hat ein Mensch durchschnittlich zur Verfügung. Das erscheint etwas wenig, nicht wahr?

Eine meiner größten Ängste war es bisher immer, am Ende meines Lebens zurückzublicken und mich darüber zu ärgern, dass ich es verschwendet habe. Das ich nichts richtiges damit anzufangen wusste, die falschen Wege eingeschlagen habe. Burke räumt damit gleich zu Beginn auf. Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass man nicht alles schafft in dieser Lebens-Zeit. Erstens, weil sie begrenzt ist und zweitens, weil ich jedes mal, wenn ich mich für einen Sache entscheide, dafür eine andere Sache wegfällt. Ich kann nun mal nicht alles auf einmal machen (und der Versuch, genau das zu tun, führt unweigerlich zu Frustrationen). Das ist ernüchternd, aber vor allem auch befreiend. Also schmökere ich jetzt in dem Buch herum und denke darüber nach, was für mich eigentlich wirklich wichtig ist.

Hier noch ein sehr schöner Guardian Review zum Buch.

Schreiben

Schreiben gehört für mich auf alle Fälle zum Leben dazu. Ich möchte es nicht mehr missen, aber ich mache mich gerade (mal wieder) mit der Frage verrückt, WAS ich schreiben soll/möchte/muss). Hat eine Idee Potential, wird sie einen Verlag/Leser*innen finden? Sollte ich mich besser auf Selfpublishing konzentrieren (größere kreative Freiheit, aber auch erheblich mehr Arbeit) oder bei Verlagen veröffentlichen? Eine Fülle von Möglichkeiten, mit der ich umgehen lernen möchte. Denn ansonsten schaffe ich gar nichts, bin einfach nur erstarrt angesichts des schier unbezwingbaren Berges. Vielleicht, wenn ich es mehr als Abenteuer betrachte …?

Because of the routines we follow, we often forget that life is an ongoing adventure. We leave our homes for work, acting and even believing that we will reach our destinations with no unusual event startling us out of our set expectations. The truth is we know nothing, not where our cars will fail or when our buses will stall, whether our places of employment will be there when we arrive, or whether, in fact, we ourselves will arrive whole and alive at the end of our journeys. Life is pure adventure, and the sooner we realise that, the quicker we will be able to treat life as art: to bring all our energies to each encounter, to remain flexible enough to notice and admit when what we expected to happen did not happen. We need to remember that we are created creative and can invent new scenarios as frequently as they are needed.“
Maya Angelou

In Meine Schreibziele 2022 habe ich bereits darüber geschrieben, was Fülle für mein Dasein als Autorin auch generell bedeutet: ich möchte aus dem engen Denken raus. Möchte nicht mehr zart grün vor Neid auf den Erfolg der anderen schielen (hallo, Instagram). Möchte raus aus dem Konkurrenzdenken, das mich doch oftmals umtreibt (und so mag ich mich auch gar nicht). Es gibt genug Leser*innen für alle und es gibt genug tolle, spannende Kolleginnen, denen ich verdammt noch mal ihren Erfolg gönne! Fülle, gegenseitige Unterstützung! Spaß!

Hier noch ein Blogartikel zum Thema: Why other authors are not your competitiors.

Veröffentlichen

In 2022 wird ein neuer Liebesroman (Schottischer Honig) von Pippa bei dotbooks erscheinen. Außerdem habe ich zwei Storys in Anthologien untergebracht (die Kaffeefee kommt im März, eine Weihnachtsanthologie im Winter bei dotbooks). Aber in den letzten Jahren habe ich auch einige kleine Geschichten geschrieben, mit denen ich mich nicht rausgetraut habe. Zu kurz, zu merkwürdig für Verlage. Und ans Selfpublishing hab ich mich nicht gewagt. Aber ich schreibe ja nicht für meine Schublade, ich möchte raus da. Gelesen werden. Meine Storys mit Leser*innen teilen. Also werde ich mich trotz aller Bedenken auch wieder dem Selfpublishing widmen und meine merkwürdigen Storys veröffentlichen. Das wird spannend…

Zum Schlaumachen diesbezüglich empfehle ich übrigens wärmstens die Selfpublisherbibel.

Finanzen

Fülle bedeutet für mich auch, dass ich mich mehr um meine Finanzen kümmern möchte. Ein Haushaltsbuch führen, um zu sehen, wohin mein Geld verschwindet. Aufträge und Schreibideen daraufhin abklopfen, ob es sich lohnt. Aufpassen, worin ich Zeit und Mühe investiere (und vielleicht nicht mehr ganz so viel kostenlosen Content produzieren).

Gesundheit

Meine Körperfülle macht mir zu schaffen. Der Bauch wird immer runder und wenn ich im Supermarkt an dem wohlgefüllten Süßigkeitenregal stehe, kann ich selten widerstehen. Die letzten Jahre haben dabei auch nicht geholfen, denn pandemiebedingt habe ich mich viel zu oft Daheim eingeigelt (und mit Schokolade getröstet), anstatt rauszugehen und mich zu bewegen. Auch die Energie, mich um leckere gesunde Rezepte zu kümmern, hat mir gefehlt. Das möchte ich in diesem Jahr ändern. Nein, keine Diät, ich glaube nicht an Diäten. Aber wieder etwas mehr rausgehen, mich bewegen und wenigstens einmal pro Woche ein schönes neues Rezept ausprobieren und etwas kochen, dass mir nicht nur schmeckt sondern mir auch gut tut.

 

There is a lie that acts like a virus within the mind of humanity. And that lie is, ‘There’s not enough good to go around. There’s lack and there’s limitation and there’s just not enough. The truth is that there’s more than enough good to go around. There is more than enough creative ideas. There is more than enough power. There is more than enough love. There’s more than enough joy. All of this begins to come through a mind that is aware of its own infinite nature. There is enough for everyone. If you believe it, if you can see it, if you act from it, it will show up for you. That’s the truth. (Michael Beckwith)

 

Ich bin schon sehr gespannt auf mein Jahr der Fülle.

Gibst du dir ein Wort des Jahres?

Erzähl doch mal …

 

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