Neues Romanprojekt 2020

Neues Romanprojekt 2020

Manchmal kommen Ideen daher und hauen einen einfach um. Schmeißen sämtliche Planung über den Haufen und wollen unbedingt geschrieben werden. Die hier hat genau das mit mir gemacht.

Und darum geht es:

Tod Nummer 762 (ja, es gibt mehrere, wie sonst wäre das alles zu schaffen?) verliebt sich in den Schriftsteller, den sie holen soll. Sie weigert sich, ihren Auftrag auszuführen, was sowohl Engel als auch Dämonen gegen sie aufbringt, denn sie gefährdet das Gleichgewicht der Welt.

Schön schräg und merkwürdig, und ich habe (noch) keine Vorstellung, wo das alles hinführen soll. Aber ich will es unbedingt schreiben und bin bereits eifrig am recherchieren und plotten.

Was ich im Vorfeld auch gerne mache ist, kleine Geschichten schreiben, in denen die Figuren das erste Mal auftreten. Sozusagen um sie live zu erleben. Diese Szenen müssen nicht unbedingt später im Buch vorkommen, aber es könnte passieren…

Darf ich vorstellen: Tod.

 

Wartezimmer

 

Sie hatte eine Ewigkeit in diesem Wartezimmer zugebracht. Berge waren gewandert, Kontinentalplatten hatten sich verschoben, mehrere Tierarten waren ausgestorben. Und es schien als wären alle anderen Mitwartenden vor ihr dran gekommen.

Weiße Wände, weißer Fußboden, weiße, sehr unbequeme, Stühle, zwei Türen. Durch die eine kamen Leute herein, durch die andere wurden sie hinausgerufen. An der Wand neben der ersten Tür hatte jemand einen hellgrauen Handabdruck hinterlassen. Oben, über der zweiten Tür, war ein kleiner weißer Lautsprecher angebracht, aus dem eine unpersönliche Stimme ab und zu knisternd und knackend eine Nummer aufrief.

Kein Fenster, keine Zeitschriften. Und obwohl auch hin und wieder Kinder auftauchten, keine Spielecke.

Sie wusste nicht mehr, warum sie hier eigentlich saß. Nichts tat ihr weh. Sie schloss die Augen, spürte in sich hinein. Keine Schmerzen. Sie fühlte nichts. Gar nichts. Sie öffnete die Augen wieder. Warum hatte sie ihr Handy nicht mitgenommen?

Ruhig war es hier drin. Keiner nieste, hustete, räusperte sich. Niemand sprach mit irgend jemandem. Man konnte die anderen Wartenden noch nicht mal atmen hören. Sie blickte sich um. Alle sahen ein wenig wie betäubt aus, starrten vor sich hin ins Leere, als wüssten sie auch nicht, warum sie eigentlich hier waren. Keiner hatte ein Handy dabei.

„Nummer 5893“, knisterte der Lautsprecher.

Niemand rührte sich.

„Nummer 5893!“

Das Knistern klang ungeduldig. Leere Blicke hoben sich, man sah einander verstohlen an, bis sie endlich daran dachte, ihre leicht verkrampfte rechte Hand zu öffnen. Wann hatte sie die denn zur Faust geballt? Auf dem Abreißticket stand 5893. Endlich.

Sie öffnete die zweite Tür, die in einen langen, schmalen Korridor mit hellgrauen Wänden führte. Es roch nach Bohnerwachs und Weihrauch. Am Ende des Korridors eine neue Tür. Sie klopfte vorsichtig.

„Herein“, sagte eine gequälte Stimme.

Sie betrat einen kleinen Büroraum, der von einem riesigen Schreibtisch ausgefüllt wurde, auf dem sich neben einem altmodischen, grauen Computerbildschirm Papiere und Aktenordner türmten. Von einem winzigen Fenster aus war ein hellblaues Stück Himmel zu sehen. Daneben stand ein eingestaubter Gummibaum.

„Nehmen Sie Platz.“

Die gequälte Stimme gehörte zu einer Dame mittleren Alters, die eine stahlgeränderte Brille trug, eine eisengraue Betonfrisur und einen schmalen Mund hatte. Sie wühlte ungeduldig auf ihrem Schreibtisch herum und zog dann einen schwarzen Aktenordner ganz unten aus einem Stapel hervor, dem sie ein Schriftstück entnahm.

„Man hat Sie zu den Reisebegleitern berufen. Bitte unterschreiben Sie hier.“

„Den was? Unterschreiben? Ich dachte, ich bin hier beim Arzt?“

„Sie brauchen keinen Arzt mehr.“

Das Schriftstück klärte sie darüber auf, dass sie ab sofort Tod Nummer 762 war und ihr Job darin bestand, die frisch Verstorbenen abzuholen und an die Schwelle zum Jenseits zu geleiten.

„Aber ich…?“

„Ja, Sie sind tot. Nein, es gibt nicht nur einen Tod. Und wir sind seit 364 Jahren jämmerlich unterbesetzt. Hoher Krankenstand. Deshalb hat Sie auch niemand abgeholt.“

„Warum …“

„Sie können sich selbstverständlich weigern, aber dann geht es geradewegs nach unten.“

Die Dame räusperte sich bedeutungsvoll. Der Himmel vor dem kleinen Fenster begann, zu glühen.

„Desgleichen, wenn Sie sich fahrlässig verhalten oder gar einen Auftrag verweigern. Sollt man jedoch an höherer Stelle zufrieden mit ihrer Arbeit sein, dann werden Sie in tausend Jahren nach oben auffahren.“

„Tausend Jahre?“

„Was glauben Sie, wie lange ich schon hier sitze?“, fragte die Dame säuerlich. „Ich wünschte, ich hätte ihre Aussichten.“

Der Himmel wurde langsam wieder blau. Ein kleines weißes Wölkchen segelte fröhlich vorüber.

„Bitte unterschreiben Sie auf der gepunkteten Linie.“

Die Dame reichte ihr einen dicken roten Füllfederhalter.

„Aber … ich kann mich nicht mehr an meinen Namen erinnern.“

„Namen“, sagte die Dame, „Sind Schall und Rauch. Unterschreiben Sie mit ihrer Nummer.“

„Und dann…?“

„Gehen Sie zügig durch die hintere Tür hinaus. Man wird Sie in alles einweisen. Hoffe ich jedenfalls, angesichts des Krankenstandes.“

Tod Nummer 762 unterschrieb. Sie hatte heute sowieso nichts Besseres vorgehabt.

 

 

Was haltet ihr davon, würdet ihr weiter lesen wollen? Das würde mich ehrlich interessieren…

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