Carola Wolff

Fantasyautorin
Der NaNoWriMo naht

Der NaNoWriMo naht

Am 1.11. ist es wieder soweit: der National Novel Writing Month, kurz NaNoWriMo, geht los. Ich mache sehr gerne wieder mit und bin sozusagen Wiederholungstäterin. Denn während draußen der November vor sich hin fröstelt, kann ich es mir drinnen so richtig gemütlich machen mit Tee, Schokolade und vor allem: abtauchen in meiner Geschichte.

Der NaNoWriMo wurde 1999 von Chris Baty ausgeheckt und hat seitdem Schreiberlinge rund um die Welt begeistert. Die Grundidee ist ganz einfach: Du schreibst im November ein Buch. DEIN Buch. Mindestens 50.000 Worte. Gerne mehr. Aber auf alle Fälle nicht weniger. Planen darfst du vorher selbstverständlich. Den Keksvorrat aufstocken ebenfalls. Aber los geht es erst am 1.11. Und dann gibt’s kein Halten mehr.

Warum ich da mitmache (schließlich könnte ich doch in aller Ruhe schreiben, wann, wo und wieviel auch immer ich möchte)?

Weil es zwei meiner fiesesten Schreibdämonen bannen hilft:

1. Den inneren Kritiker

Immer präsent im Hinterkopf, die alte Giftspritze: Du kannst doch gar nicht schreiben! Und überhaupt, wer will denn das lesen? Wen interessiert das? Und wenn es fertig ist (falls es jemals fertig wird), liest es sich sowieso nicht so, wie du dir das eigentlich vorgestellt hast (denn du kannst nicht schreiben)!

Genau: er ist der absolute Kreativitäts-Killer.

2. Den Plotbunnie-Befreier

Sind sie nicht niedlich, die kleinen neuen Ideen, wie sie da so über dein Romanfeld hoppeln und den ganzen Plot durcheinander bringen? Oh, und da ist noch eine neue Idee. Und noch eine! So süß, so plüschig! Die müssen unbedingt noch rein in meine Geschichte. Aber halt, dann muss ich das erste Kapitel ändern. Und hier, im dritten Kapitel, das stimmt auch nicht mehr, und die Motivation meiner Heldin wäre dann auch hinfällig … oh, noch ein Plotbunnie …

Die beiden haben mir in fröhlich-finsterer Eintracht schon so manche Geschichte kaputt gemacht. Aber wenn ich in 30 Tagen 50.000 Wörter schreiben möchte, habe ich für deren Mätzchen ganz einfach keine Zeit mehr. Die fiese Kritikerstimme sperre ich in den Keller (er kann mir später beim Überarbeiten helfen, dann macht er wenigstens was sinnvolles). Und die Plotbunnies kriegen einen bequemen Stall in Form eines schönen Notizheftes. Wer weiß, vielleicht kann ich sie in ihrer eigenen Story unterbringen.

Hauptsache, ich kann mich jetzt und hier voll auf meine Geschichte konzentrieren.

Amateurs sit and wait for inspiration, the rest of us just get up and go to work.

Stephen King

Gerade habe ich auf meinem NaNoWriMo Account herumgestöbert, mir meine ‚Novels‘ Seite angeguckt und gedacht, wow, sieh mal einer an. Insgesamt habe ich viermal den NaNoWriMo gewonnen. Zwei der so entstandenen Bücher sind bereits bei Fabulus veröffentlicht worden (Ausgerechnet Muse und Der Fluch des Erlkönigs). Das dritte und vierte Projekt sind noch in Bearbeitung.

Geht das eigentlich wirklich: in einem Monat einen Roman schreiben? Nein, natürlich nicht. Aber man kann den Grundstock legen. Die 50.000 Wörter sind eine solide Basis, auf der man anschließend aufbauen kann (z.B. eine Nebenhandlung einfügen).

Und noch was Schönes: ich bin beim Schreiben nicht allein. Kann mich im NaNoWriMo-Forum, via Twitter (#NaNoWriMo) und Facebook mit anderen Schreibverrückten austauschen, Wortsprints hinlegen und Tipps/Ideen austauschen (z.B. die beste Schreibmusik finden). Kurzum: es macht wirklich Spaß! Bin schon eifrig am plotten und freue mich mächtig.

Und wer sich jetzt auch anmelden möchte, der kann das hier tun. Die offizielle NaNoWriMo Sprache ist zwar englisch, aber es gibt auch deutsche Regionalgruppen/Foren (in Berlin finden sogar Schreibtreffen statt), und in welcher Sprache du deinen Roman schreibst, ist selbstverständlich dir überlassen.

Keine Zeit? Stephen King hat einen Tipp:

If you’re just starting out as a writer, you could do worse than strip your television’s electric plug-wire, wrap a spike around it, and then stick it back into the wall. See what blows, and how far. Just an idea.

Also, wer ist mit dabei?

PS Ein wirklich gutes, ehrliches Buch übers Schreiben gesucht?

Ich empfehle

Stephen Kings On Writing: A Memoir of the Craft

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