Carola Wolff

Pippa Arden

Die Wirkung von Worten

Words, words, words …

ließ Shakespeare Hamlet seufzen. Eine Antwort auf Polonius‘ Frage, was er gerade lese. Worte, Worte, Worte …

Als Autorin mache ich mir jeden Tag Gedanken darüber, wie das, was ich ausdrücken möchte, am Besten in Worte gekleidet wird und welche Wirkung Worte haben können. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) hat mich dieses Experiment von Ikea umgehauen: Pflanzen-Mobbing.

Die Idee ist ebenso einfach wie genial. Zwei Pflanzen der gleichen Sorte werden in der gleichen Umgebung, zu den gleichen Bedingungen gehalten (gegossen, gedüngt). Der große Unterschied: die eine Pflanze bekommt zusätzlich eine Beschallung mit positiven, aufmunternden Kommentaren (ich mag dich, wie du bist/du bist schön etc). Die andere bekommt eine geballte Ladung negativer Dinge zu hören (niemand mag dich/du bist nutzlos etc). Schon nach kurzer Zeit war das Ergebnis eindeutig: die gemobbte Pflanze liess traurig ihre braun gewordenen Blätter hängen. Die gelobte hingegen gedieh prächtig.

Ich rede durchaus auch mal gerne meinen Balkonblumen beim täglichen Gießen gut zu (schön leise, damit die Nachbarn mich nicht für meschugge halten).  Kann ja nicht schaden, dachte ich. In diesem Fall wurde es so eindrucksvoll gezeigt, dass es mich sehr bewegt hat. Jetzt weiß ich es. Und wenn negative Kommentare auf Pflanzen so eine Wirkung haben, wie sieht es dann erst bei den Menschen aus?

Dabei geht es mir nicht nur um das alltägliche Mobbing in Schule und Arbeitsplatz (schlimm genug). Sondern auch um die Art und Weise, wie ich mit mir selbst rede. Mich beschimpfe, wütend mit mir bin, nur weil ich nicht so reibungslos funktioniere wie ich glaube funktionieren zu müssen. Wenn ich mir selbst nur halb so gut zureden würde wie meinen Balkonblumen … wenn ich mich liebevoll unterstützen würde, loben für das, was ich geschafft habe, statt mich zu ärgern über das, was ich nicht erledigt habe … wie ich wohl aufblühen würde?

Wie wir alle aufblühen würden, wenn wir einander mehr Komplimente machten? Uns auf die positven Dinge konzentrieren, statt immer nur zu lästern und kleinzureden?

Kaum auszudenken …

Ich geh dann mal meine Balkonpflanzen gießen.

 

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