Carola Wolff

Fantasyautorin
2019 – Mein Jahr mit Ray Bradbury (oder: Fortbildung für Autoren)

2019 – Mein Jahr mit Ray Bradbury (oder: Fortbildung für Autoren)

Es gibt unzählige Schreibratgeber, Kurse, sogar Studiengänge für die angehende Autorin, um das Handwerkszeug des Schreibens zu erlernen. Das ist natürlich gut, richtig und wichtig, keine Frage. Aber was ist mit meiner Fantasie, was ist mit meiner Muse, wie nähre ich die? Wie produziere, wie bemerke und fange ich Ideen ein? Wie kann ich die Magie wirken, wo kommt der zündende Funken her, der den Romanzaubertrank zum Brodeln bringt?

Einer meiner Lieblingsfantasy/SF Autoren, Ray Bradbury, hat mich diesbezüglich auf eine Idee gebracht.

Ich habe den Roman Das Böse kommt auf leisen Sohlen regelrecht verschlungen (ein geheimnisvoller Jahrmarkt, ein magisches Karussell, eine Staubhexe, eine Mumie, alte Kinder!), und kriege immer noch Tränen in den Augen, wenn ich an eine seiner Kurzgeschichten denke, in der sich ein einsames Meeresungeheuer in einen Leuchtturm mit Nebelhorn verliebt.

Bradburys Short Stories und Romane sind überwiegend verschroben, versponnen, liebevoll-gruselig, melancholisch. Eine für mich unwiderstehliche Mischung.

Wie macht er das bloß, fragt sich sie Autorin in mir nach der Lektüre, während die Leserin gleich noch mal von vorne anfangen und einfach in sein fantastisches Universum eintauchen möchte.

Dann fand ich eine seiner Reden im Internet, und da war er endlich, der Rat, den ich gesucht hatte:

„What you’ve got to do from this night forward is stuff your head with more different things from various fields . . . I’ll give you a program to follow every night, very simple program. For the next thousand nights, before you go to bed every night, read one short story. That’ll take you ten minutes, 15 minutes. Okay, then read one poem a night from the vast history of poetry. Stay away from most modern poems. It’s crap. It’s not poetry! It’s not poetry. Now if you want to kid yourself and write lines that look like poems, go ahead and do it, but you’ll go nowhere. Read the great poets, go back and read Shakespeare, read Alexander Pope, read Robert Frost. But one poem a night, one short story a night, one essay a night, for the next 1,000 nights. From various fields: archaeology, zoology, biology, all the great philosophers of time, comparing them. Read the essays of Aldous Huxley, read Lauren Eisley, great anthropologist. . . I want you to read essays in every field. On politics, analyzing literature, pick your own. But that means that every night then, before you go to bed, you’re stuffing your head with one poem, one short story, one essay—at the end of a thousand nights, Jesus God, you’ll be full of stuff, won’t you?“

(Ray Bradbury, “Telling the Truth,” the keynote address of The Sixth Annual Writer’s Symposium by the Sea, sponsored by Point Loma Nazarene University, 2001)

Prima! Ich lese sowieso gerne, viel, kreuz und quer, und einmal pro Woche bin ich in der Bibliothek (wenn nicht öfter). Und jetzt habe ich eine Richtschnur, einen roten Faden:

Jeden Abend ein Gedicht, eine Kurzgeschichte und ein Essay lesen. Und zwar alles mögliche, bunt durcheinander. Danke für den Tipp, Mr Bradbury. Mache ich ab sofort, und zwar das ganze Jahr 2019 lang.

Eigentlich sollte man ja (nicht nur) als Autorin sowieso vielfältig interessiert sein. Aber ich merke, wie schnell und gründlich ich doch in meiner eigenen kleinen Filterblase versinke. Mal sehen, ob ich das ändern kann.

Interessiert? Neugierig?

In meinem Newsletter werde ich über alle gelesenen Bücher und die daraus resultierenden Ideen/Projekte berichten.

Bei Lovely Books habe ich außerdem ein Bücherregal Mein Jahr mit Ray Bradbury eingerichtet, in das ich meine gelesenen Bücher stellen werde.

Auf meinem Blog werde ich ebenfalls von meinem Experiment erzählen.

Ich freue mich sehr über alle, die mitmachen möchten und vor allem über Lesetipps, ganz besonders im Bereich Essay.

Tja, liebes Netflix, tut mir leid. Aber ob ich für dich noch Zeit haben werde, ist fraglich.

Ich bin schon sehr gespannt auf mein großes Leseabenteuer.

 

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